Bundesrat dringt bei Gesundheit nicht durch
Abgelehnt wird auch das von den Ländern geforderte Mitspracherecht bei der künftigen Festlegung des bundesweit einheitlichen Beitragssatzes in der Gesetzlichen Krankenversicherung sowie die völlige Rücknahme der geplanten Einsparungen bei Krankenhäusern. Die Regierung sagte hingegen eine Prüfung des Wunsches zu, die Vergütung von Rettungsfahrten unverändert zu lassen und nicht um drei Prozent zu kürzen. Insgesamt werden von den mehr als 100 einzelnen Änderungswünschen knapp zwei Drittel abgelehnt. In den übrigen Fällen stimmt die Regierung zu oder sagt Prüfung zu.
Derzeit liefen weiter «intensive Verhandlungen» der Fachleute von Union und SPD. Einige Punkte seien noch nicht abschließend geklärt. Dazu zählt laut Steg, wie eine übermäßige Belastung der Krankenkassen einzelner Länder beim neuen Gesundheitsfonds vermieden werden kann. Zu der so genannten Konvergenzklausel wonach es eine Obergrenze für die Belastungen geben soll sei eine «abschließende Formulierung noch nicht gefunden, aber sie wird angebahnt».
Strittig ist innerhalb der Koalition weiterhin die Reform der Privaten Krankenversicherung, insbesondere deren neuer Basistarif und das geplante Recht, Altersrückstellungen bei einem Versicherungswechsel mitzunehmen. Steg sagte, hier seien zwischen den Koalitionspartnern «durchaus Annäherungen erfolgt». Allerdings pocht die CSU weiter darauf, dass der Basistarif nur einem kleinen Personenkreis offen stehen soll. Die SPD will ihn hingegen weiter öffnen.
So seien bei der geplanten Einführung des Basistarifs die Rechte bereits jetzt privat Versicherter betroffen. Deshalb «meine ich schon, dass es hier ganz große Schwierigkeiten geben kann, auch verfassungsrechtlicher Art», sagte Stewens. «Es gibt durchaus auch von namhaften Verfassungsrechtlern gewaltige Bedenken, die hier angeführt werden.» Die beiden Verfassungsressorts hatten in einer 14-seitigen Expertise alle verfassungsrechtlichen Einwände zurückgewiesen. Auch den neuen Basistarif halten sie für unbedenklich.
Zur Rolle der CSU in der Großen Koalition ergänzte der SPD-Fraktionschef: «Ich akzeptiere nicht, das der kleinste Partner mit 46 Abgeordneten die Richtung bestimmen will.» Der Gesundheitsstreit der vergangenen Wochen müsse «Konsequenzen» haben, verlangte Struck. Insbesondere die Anwürfe von CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer gegen Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) seien «nicht akzeptabel». Es müsse «in der Koalition ein anderer Stil einkehren».
Struck räumte ein, dass es auch in der SPD-Fraktion Kritik gebe. Gleichwohl rechne er bei der Abstimmung im Bundestag mit einer «großen Mehrheit» für die Reform. (nz)

