16. Dez 2006 11:54
An der jüngsten Protestaktion der Kassenärzte vor dem Reichstag haben nicht Mediziner, sondern Hostessen gegen Bezahlung demonstriert. Der Verband findet das «total normal».
Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat für eine Protestveranstaltung gegen die geplante Gesundheitsreform Hostessen angemietet – freilich ohne klarzustellen, dass die Teilnehmer der Aktion bezahlt wurden und keine Ärzte sind. KBV-Chef Andreas Köhler bestätigte einen entsprechenden Bericht der «Bild»-Zeitung, verteidigte sich indes laut einer Verbands-Mitteilung von Samstag: Es habe sich nicht um eine Demonstration, sondern um den Abschluss einer PR-Kampagne gehalten.«Mit der Kittelaktion sollte symbolisch gezeigt werden, dass heute bereits mehr als 12.000 Mediziner im Ausland leben und arbeiten, weil sie dort bessere Arbeitsbedingungen finden als in Deutschland». Verbands-Sprecher Roland Stahl sagte dem Blatt, der Vorgang sei «total normal».
Hintergrund ist eine Protestaktion von vergangenem Donnerstag vor dem Berliner Reichstag. Mit einer «Garderobe», auf der mehrere tausend Arztkittel hingen, protestierte der Ärzteverband gegen angeblich mit der Gesundheitsreform sich verschlechternde Arbeitsbedingungen für Mediziner. «Kommt die Gesundheitsreform wie geplant, werden noch viel mehr Kollegen ihre Kittel an den Nagel hängen», hatte Köhler vor dem Sitz des Bundestags gewarnt und von einer «Wartelistenmedizin» gesprochen, die künftig den Patienten drohe.
Dass an der Aktion nicht Ärzte, sondern bezahlte Kräfte teilnahmen empört SPD-Gesundheitsexpertin Elke Ferner. «Das zeigt die wahre Gesinnung, dass man für sein eigenes Anliegen nicht selbst demonstriert, sondern dafür Protestler anheuerte», zitierte «Bild» die SPD-Fraktionsvize im Bundestag.Die Kittelaktion war Teil der Kampagne «Geiz macht krank». Mit ihr wehrt sich die KBV seit mehreren Wochen gegen die geplante Gesundheitsreform, da sie den Angaben zufolge zu Lasten der rund 147.000 niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten in Deutschland gehen wird. «Die Regierung beendet die chronische Unterfinanzierung nicht, sondern lässt das System ausbluten», kritisierte Köhler. Die symbolisch an den Nagel gehängten Kittel sollen nach dem Protest in Berlin an eine Hilfsorganisation gespendet werden. Diese werde damit unter anderem ein Krankenhaus in Benin ausstatten, hieß es. (nz)