Bürger wird «überfordert und verunsichert»
Der Bürger werde damit «völlig überfordert und verunsichert», warnte Müller, der unter den Regierungschefs Willy Brandt und Helmut Schmidt (beide SPD) Planungschef im Kanzleramt war. Er warf den beiden großen Parteien vor, «viel zu große Erwartungen geweckt zu haben». Dabei sei von vornherein klar gewesen, «dass nur ein fauler Kompromiss heraus kommen konnte». Besser wäre es gewesen, das Thema gar nicht erst anzupacken, sagte Müller.
Müller geht davon aus, «dass der Kompromiss wie Hartz IV als die total verrückte Reform in die Geschichte eingehen wird». Schon die Gesundheitsreform 2003 sei als «der große Durchbruch» verkauft worden, erinnerte der Wirtschafts-Experte. Am Ende werde aber auch die neuerliche Reform «nichts bringen», sondern langfristig nur auf «eine Variation der Kopfpauschale» hinauslaufen.
Die in der Nacht zum Donnerstag erzielte Kompromiss für die geplante Gesundheitsreform ist in der Öffentlichkeit auf massive Kritik gestoßen. FDP, Grüne und Linkspartei bescheinigten der Regierung Versagen. Krankenkassen, Ärzte und Krankenhäuser warnten vor Mehrbelastungen der Versicherten und schlechterer Versorgung. Auch die Wirtschaft beklagte, die Reform verfehle alle ihre Ziele. (nz)

