Massive Kritik am Gesundheitskompromiss
Bütikofer forderte Union und SPD auf, den Gesundheitsfonds ganz fallen zu lassen. Dieser sei nur sinnvoll, wenn Privatversicherte miteinbezogen würden. Dem SPD-Vorsitzenden Kurt Beck warf er vor, die «offene Unwahrheit» gesagt zu haben. Beck habe behauptet, es werde die erste Gesundheitsreform, die die Menschen nicht zusätzlich belaste. Dabei stiegen zum 1. Januar 2007 die Krankenkassenbeiträge «um mehr als einen halben Prozentpunkt». Positiv an der Reform sei allenfalls, dass die 300.000 Menschen, die bisher ohne Versicherungsschutz seien, zurück ins System geholt würden.
Ursprünglich sollte der Fonds im Laufe des Jahres 2008, spätestens Mitte 2008 starten. Der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle kritisierte, die Verschiebung des Fondsstarts solle nur die Wahlkämpfer des Jahres 2008 schonen. Übernächstes Jahr stehen in Bayern, Hamburg, Hessen und Niedersachsen Landtagswahlen an. Westerwelle forderte, den Fonds zu «beerdigen» statt zu verschieben. Er werde «aus politischen, organisatorischen und verfassungsrechtlichen Gründen» nicht lange überleben, zeigte sich der FDP-Chef überzeugt. «Gesichtswahrung ist dieser Koalition wichtiger als Problemlösung.»
Sommer kritisierte zudem, der angekündigte Risikostrukturausgleich entspreche nicht den Anforderungen. Wie Bütikofer lehnt auch der DGB-Chef den Gesundheitsfonds ab: «Denn so ein Fonds macht nur dann Sinn, wenn auch private Krankenkassen in den Risikostrukturausgleich einzahlen würden.»
Der Verband der Angestellten-Krankenkassen (VDAK) hält den Gesundheitskompromiss für unsozial. Über die Reform könne man «nicht glücklich sein», sagte VDAK-Chefin Doris Pfeiffer im ARD-«Morgenmagazin». Die Pläne gingen vor allem zu Lasten von Geringverdienern. Durch die «Verstaatlichung des Gesundheitssystems» werde es entgegen den Plänen von Union und SPD keinen Wettbewerb zwischen den gesetzlichen Kassen geben. «Es gibt nur Wettbewerb um Gesunde», kritisierte Pfeiffer.
Es würden Leistungen ausgeweitet, wo es nötig ist, und gespart, ohne dass die Versicherten höhere Zuzahlungen leisten müssten. «Aber es geht auch um die Transparenz in den Finanzströmen, damit für den Einzelnen auch überschaubarer wird, wie gut die Kasse wirtschaftet oder nicht.»
Schmidt hielt zugleich die Verschiebung des Gesundheitsfonds um ein halbes Jahr für sinnvoll. «Es ist zum 1.1. 2009, weil dann auch der neue Risikostrukturausgleich, der sich an den Krankheitsrisiken orientiert, in Kraft treten kann.» Dann werde auch eine neue Vergütung der Ärzte gestartet und zudem hätten dann die Kassen ausreichend Zeit, sich zu entschulden, und «gut in diesen Fonds zu starten, damit dann wirklich auch ein sehr klarer, transparenter Wettbewerb entstehen kann», argumentierte die Ministerin. (nz)

