EU ruft zur Impfung auf und warnt: 

netzeitung.deJeder Dritte könnte sich infizieren

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Deutsche verzichten lieber auf Grippeimpfung (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Deutsche verzichten lieber auf Grippeimpfung
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Geht es nach dem Willen der EU, sollen sich möglichst viele Menschen immunisieren lassen. Auch wirtschaftliche Folgeschäden der H1N1-Infekionen werden erwartet. Die Deutschen interessiert das alles wenig - kaum einer will sich impfen lassen.

Nach Einschätzung der EU-Kommission wird möglicherweise jeder dritte Europäer am «Schweinegrippe-Virus» H1N1 erkranken. Gesundheitskommissarin Androulla Vassiliou sagte der Tageszeitung «Die Welt», es sei zu befürchten, dass sich das Virus im Laufe der kommenden Monate verändere und deutlich aggressiver werde.

«Nach allem, was wir wissen, können sich bis zu 30 Prozent der Bevölkerung mit der 'Schweinegrippe' infizieren. In diesem Fall wird man leider auch mit einer erheblichen Zahl von Toten rechnen müssen. Wir müssen wachsam bleiben», wird die Kommissarin zitiert. Auch die möglichen wirtschaftlichen und sozialen Folgen dürfe man nicht vernachlässigen.

Die wirtschaftliche Erholung in der EU könne durch die Grippe geschwächt werden: «Bestimmte Wirtschaftszweige, wie Tourismus oder Freizeitindustrie, könnten Einbußen erleiden», sagte Vassiliou. Außerdem seien eine niedrigere Produktivität und Störungen der Produktionsabläufe in den Unternehmen durch höhere Krankenstände und weniger Konsum infolge von Unsicherheit denkbar.

Kaum Auswirkungen auf die Konjunktur
Für Deutschland sieht es nach Ansicht des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) besser aus. Zusammen mit der Allianz erarbeitete das Institut eine entsprechende Studie, die am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde. Darin heißt es, die Konjunktur in Deutschland würde durch Infektionen mit dem H1N1-Virus kaum abgeschwächt.

Innerhalb der EU könne es zu einem Wettlauf um den Impfstoff kommen, sollte sich das Virus ausbreiten und aggressiver werden, so Vassiliou. «Möglicherweise wird aber nur eine Impfung, anstatt wie bisher geplant zwei Impfungen notwendig sein, das wird in Kürze von den europäischen Gesundheitsbehörden entschieden. Es wäre gut, wenn diejenigen Staaten, die dann über zu viel Impfstoff verfügen, etwas davon abgeben könnten an die Länder, die zu wenig haben.»

Die EU-Kommissarin rief die Bevölkerung zur Impfung auf: «Es ist wichtig, dass sich möglichst viele Menschen gegen die 'Schweinegrippe' impfen lassen. Je höher die Zahl der geimpften Menschen ist, desto weniger kann sich die Pandemie ausbreiten.»

Ansturm auf Gesundheitsämter blieb aus
Das Interesse der Bürger in Deutschland ist allerdings gering. Ab Montag sollten vor allem im Gesundheitswesen Beschäftigte, Polizisten und Feuerwehrleute immunisieren lassen. Doch in vielen Gesundheitsämtern blieb der Ansturm auf die Impfung aus. Mehr als die Hälfte der Deutschen will sich nach einer Umfrage nicht gegen den H1N1-Erreger impfen lassen.

60 Prozent der Befragten lehnten eine Immunisierung ab, lediglich 13 Prozent stimmten zu. 27 Prozent äußerten sich noch unentschlossen, wie eine repräsentative Studie des Hamburger Gewis-Instituts im Auftrag der Zeitschrift «Das Neue» ergab. Für drei Viertel der Befragten (75 Prozent) ist nach Angaben des Blattes die Angst vor Nebenwirkungen ein Grund für die Zurückhaltung. Nur 25 Prozent gaben an, dass sie keine Angst hätten. 89 Prozent der Deutschen glauben nicht, dass sie sich überhaupt mit der Schweinegrippe anstecken werden. Lediglich elf Prozent fürchten sich vor einer Ansteckung. (AP/dpa/nz)