12.10.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Impfstoffherstellung in Dresden
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In knapp zwei Wochen sollen die Impfungen gegen die Schweinegrippe losgehen, doch es wächst die Sorge um die Sicherheit der Impfstoffe. «Unbegründet», sagt Ministerin Schmidt. Der Virologe Kekulé ist da anderer Meinung.
Nachdem Soldaten der Bundeswehr einen anderen Impfstoff gegen die Neue Grippe bekommen sollen als der Rest der Bevölkerung, versucht die scheidende Gesundheitsministerin Ulla Schmidt Bedenken um die Sicherheit der Immunisierungen zu zerstreuen: «Die Aufregung, die da heute entstanden ist, ist mit überhaupt nichts zu rechtfertigen», sagte Schmidt am Montag vor einem Treffen mit den anderen EU-Gesundheitsministern in Luxemburg.
Alle Impfstoffe gegen das neue Influenzavirus A/H1N1 seien sicher, getestet und könnten eingesetzt werden. Es gebe aber unterschiedliche Einsätze, ergänzte die Ministerin. Zum Beispiel könnten Schwangere mit einem Präparat ohne Zusatzstoffe («nicht-adjuvantiert») geimpft werden. Die deutschen Behörden hätten bei drei unterschiedlichen Herstellern bestellt und «das Unternehmen, bei dem die Bundeswehr bestellt hat, hat eben einen nicht-adjuvantierten Impfstoff», sagte Schmidt.
Mit Kanonen auf SpatzenDer hallesche Virologe Alexander Kekulé sieht das allerdings nicht ganz so problemlos und hat Bundesregierung und Ländern vorgeworfen, den falschen Impfstoff gegen die Schweinegrippe eingekauft zu haben. Der Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie des Universitätsklinikums Halle sagte am Montag dem Radiosender MDR Info, der im Impfstoff enthalte Verstärker habe erhebliche Nebenwirkungen.
Dieses Mittel wäre im Prinzip gut gegen ein «gefährliches Virus wie die Vogelgrippe», gegen die Schweinegrippe sei es aber «völlig übertrieben». Man schieße gewissermaßen mit Kanonen auf Spatzen, sagte Kekulé.
Viel geeigneter sei der Impfstoff, für den sich die Bundeswehr entschieden habe. Dieser werde auch in den USA und in anderen Teilen der Welt eingesetzt. Er habe keinen Verstärker und funktioniere genauso wie der normale saisonale Grippe-Impfstoff. Der Vorteil dieses klassischen Serums sei, dass es sich schon milliardenfach bewährt habe. Jahrzehntelange Erfahrungen zeigten, dass es kaum Nebenwirkungen gebe.
Die Sprecherin des für Arzneimittelsicherheit zuständigen Paul-Ehrlich-Instituts (PEI), Susanne Stöcker verteidigte die Verstärkerstoffe im bestellten Schweinegrippeimpfstoff. «Grundsätzlich ist die Verträglichkeit gleichwertig, und der Stoff erfüllt alle EU-Kriterien.» Auch die Quecksilberverbindung zur Konservierung der Impfstoffe stelle keine Gefahr da. Das verwendete Thiomersal enthalte kein Quecksilber wie im Fieberthermometer, sondern eine organische Quecksilberverbindung. Die Menge sei wesentlich kleiner als die, die eine Schwangere pro Woche aufnehmen dürfe, ergänzte Stöcker.
Auch arme EU-Länder sollen Impfungen bekommenDie Vorsitzende des EU-Gesundheitsrats, Maria Larsson, hat die gesamte europäische Bevölkerung zur Impfung aufgerufen. «Experten haben uns gesagt, dass die Pandemie noch einige Jahre anhalten wird. (...) Wenn Sie sich schützen, wird dieser Schutz also nicht nur für heute und die nächsten Monate, sondern auch die nächsten Jahre sein», sagte die schwedische Gesundheitsministerin am Montag in Luxemburg.
Die EU-Gesundheitsminister wollen sich angesichts der anstehenden Impfkampagnen gegen die Schweinegrippe solidarisch mit ärmeren Mitgliedstaaten zeigen. Hintergrund ist, dass fünf EU-Staaten über keine oder nicht ausreichende Einkaufsoptionen verfügen. Die Brüsseler EU-Kommission soll für diese Länder den Einkauf bei den Pharma-Konzernen oder ausreichend versorgten Mitgliedstaaten koordinieren. Die Impfungen sollen in gut zwei Wochen beginnen. (dpa/AP/nz)