Werte von 80 Kraftwerken aus fünf Ländern: 

netzeitung.deStudie belegt höheres Leukämie-Risiko um AKW

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Atomkraftwerk Biblis (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Atomkraftwerk Biblis
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Eine neue Studie bestätigt einen lange gehegten Verdacht: In der Nähe von Atomkraftwerken besteht für junge Menschen ein erhöhtes Risiko, an Krebs zu erkranken.

Den Verdacht gibt es seit Jahren: Wohnen in der Nähe eines Atomkraftwerks kann besonders für Kinder gesundheitsschädlich sein. Ihr erhöhtes Risiko, an Leukämie zu erkranken, bestätigt jetzt eine von den Grünen in Auftrag gegebene Studie des Arztes und Epidemiologen Eberhard Greiser.

Die Gefahren betreffen nicht nur Säuglinge und Kleinkinder, sondern auch Jugendliche vor allem bis 14 Jahre. Im Umkreis von 20 bis 50 Kilometern um Atommeiler sei das Risiko bei Kindern unter fünf Jahren um 19 Prozent erhöht und unter 15 Jahren um 13 Prozent, berichtete Greiser.

Für die Studie wurden Werte von 80 Kernkraftwerken in fünf Ländern ausgewertet, darunter auch Meiler in Deutschland und den USA. Das sei eine breite Datenbasis, sagte Greiser. Grüne und atomkritische Ärzte forderten, endlich den Strahlenschutz für Bürger zu verbessern.

Schon Ende 2007 diskutiert
Dies war bisher immer abgelehnt worden, obwohl schon Ende 2007 eine aufsehenerregende Studie des Kinderkrebsregisters in Mainz für Kinder unter fünf Jahren veröffentlicht worden war (auch die Netzeitung berichtete damals). «Die Studie stellt den entscheidenden Fortschritt bei der Beantwortung der seit etwa 30 Jahren diskutierten Frage nach gesundheitlichen Effekten in der Umgebung von Reaktoren dar...», erklärte das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) im Dezember 2007.

Dennoch gingen die Ergebnisse im Streit der Fachleute zunächst unter. Selbst die Deutsche Strahlenschutzkommission habe die Ansicht vertreten, dass radioaktive Emissionen aus Atomanlagen als Ursache für eine Zunahme von Leukämieerkrankungen grundsätzlich auszuschließen seien, erinnerten die Grünen.

«Wir wollen jetzt wachrütteln»
Die Vorsitzende der Grünen-Fraktion im Bundestag, Renate Künast, nannte die neue Untersuchung eine «Mega»-Studie, weil sie auf vielfältigen Expertisen und Gutachten basiert und so die Trefferquote erhöht: «Dies ist die umfassendste Studie in diesem Zusammenhang. Wir wollen jetzt wachrütteln.»

Künast forderte erneut den sofortigen Ausstieg aus den ältesten sieben Kernkraftwerken - wegen der hohen Kosten und der großen Gesundheitsgefahren. Auch die atomkritische Ärzteorganisation IPPNW forderte aufgrund der jetzigen Studie den Bundestag auf, «den Strahlenschutz für die Bürger zu verbessern».

Die Aussagen zu den Krebsgefahren sind bei den bis zu 14-Jährigen laut Greiser am sichersten, weil für diese Altersgruppe die Zahl der einbezogenen Atommeiler der fünf Länder am größten ist. So wurden in der Nähe von insgesamt 80 Kernkraftwerken 3742 Kinder unter 15 Jahren mit Leukämie festgestellt. Darunter waren allein 2096 nur im Kleinkindalter bis vier Jahre. Auch bei Älteren wurde die Blutkrankheit erfasst. Greiser räumte allerdings ein, dass mit schwindender Zahl der hierbei einbezogenen Kraftwerke der Zusammenhang von Nuklearstrahlen und Krankheiten unsicherer wird.

Mehrheit für Atomausstieg
Einer Umfrage zufolge unterstützt mehr als die Hälfte der Deutschen einen Atomausstieg. 59 Prozent der Befragten lehnten eine Laufzeitverlängerung alter Atomkraftwerke ab, teilte die Organisation Greenpeace am Samstag unter Berufung auf eine von ihr in Auftrag gegebene repräsentative Meinungsumfrage von TNS-Emnid mit. Vor allem die junge Generation befürworte eine Wende in der Energiepolitik.

Jede künftige Bundesregierung werde daran zu messen sein, ob sie den Willen der Bundesbürger umsetzt, sagte der Atomkraft-Experte von Greenpeace, Mathias Edler. Die erneuerbaren Energien könnten bis 2050 die komplette Stromversorgung in der Bundesrepublik übernehmen, heißt es in dem Greenpeace-Energiekonzept «Klimaschutz: Plan B 2050». Ein Ausstieg aus der Atomenergie sei bis 2015 möglich. (dpa/epd/nz)