Mediziner sehen Zusammenhang: 

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Mediziner sehen Zusammenhang 

Lupe Massentierhaltung ist Brutstätte für Grippeviren

Der Mensch ist nach Meinung von Forschern selbst für die derzeitige Grippe-Pandemie verantwortlich. Bei artgerechter Tierhaltung sei es viel unwahrscheinlicher, dass neue Virenstämme entstehen.

Die Entstehung des für die so genannte Schweinegrippe verantwortlichen Virus ist nach Einschätzung des Berufsverbands Deutscher Internisten (BDI) durch die Massentierhaltung begünstigt worden. «Die Häufigkeit von Influenza-Infektionen nimmt mit der Dichte von Schweinen in der Massentierhaltung erheblich zu», sagte der BDI-Experte und Leiter der Abteilung für Infektions- und Tropenmedizin an der Ludwig-Maximilians-Universität München, Thomas Löscher, am Mittwoch.

Die Forscher vermuteten, dass der Vorläufer des für die Grippepandemie verantwortlichen Virus seit 1995 in US-amerikanischen Schweinefarmen zirkuliere. «Von Schweinen weiß man, dass sie sowohl anfällig für Influenza-Viren bei Vögeln als auch für menschliche Virustypen sind», sagte der Infektionsmediziner: «In großen Populationen von Tieren, die noch dazu engen Kontakt mit Menschen und im Falle einiger Mastbetriebe auch zu Hühnern haben, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein Virustyp entwickelt, der auch den Menschen infiziert, nicht gering.»
Weniger Neuinfektionen
Innerhalb von sechs Jahren habe in North Carolina der Bestand an Mastschweinen von zwei auf zehn Millionen Tiere zugenommen, berichtete Löscher. Rund 99 Prozent der Betriebe hätten Ende der 90er Jahre über mehr als 1000 Tiere verfügt. 1998 sei es in North Carolina dann zu einem großen Influenza-Ausbruch in einem Mastbetrieb gekommen: «Eine artgerechtere Haltung in kleineren Populationen würde die Gefahr der Entstehung und Ausbreitung neuer gefährlicher Influenza-Virus-Typen vermutlich deutlich verringern.»

Nach den zuletzt verfügbaren Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI) vom Montag haben sich seit April insgesamt 16.116 Menschen in Deutschland mit dem neuen Virus angesteckt. Zuletzt hatte sich die Zahl der übermittelten Neuinfektionen gegenüber den Vorwochen allerdings verringert. Ob es sich dabei um einen längerfristigen Trend handelt, kann laut RKI aber noch nicht abschließend bewertet werden.

Risiko-Patient außer Gefahr
Das RKI hat inzwischen auch einzelne schwere Fälle der Erkrankung registriert. Unterdessen geht es einem vorübergehend lebensgefährlich erkrankten Patienten der Bonner Universitätsklinik besser, bei dem das Schweinegrippevirus nachgewiesen worden war. Der Mann könne wieder selbstständig atmen, sagte die Sprecherin des Bonner Universitätsklinikums, Inka Väth, am Mittwoch.

Die Medikamentierung habe planmäßig angeschlagen, ergänzte die Sprecherin. Bereits am Montag sei er wieder virusfrei gewesen. Auch sei weniger die Schweinegrippe für den Zustand des Patienten verantwortlich gewesen, als vielmehr sein vorhandenes «Grundrisiko», an jeder Grippe schwer zu erkranken.

Der Krankheitsverlauf mit Lungenversagen hätte sich «auch durch eine normale Grippe» so ergeben. Daher sei «mediale Panikmache unangebracht». Der Mann sei schlicht ein «Risikopatient». Er befinde sich schon seit Dienstag außer Lebensgefahr, werde aber weiterhin auf der Intensivstation beobachtet. Eine Mutation des Virus sei zu keiner Zeit festgestellt worden. (dpa/AP/nz)