Tierversuch mit genmanipulierten Mäusen:
Koffein macht Alzheimer rückgängig
07.07.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Koffein verringert das für Alzheimer mit verantwortliche Protein Beta Amyloid
Foto: Florida Alzheimer's Disease Research Center
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Die Zukunft der Alzheimer-Therapie beim Menschen könnte Koffein sein. US-amerikanische Wissenschaftler haben an erkrankten Mäusen eine vollständige Regeneration der Gedächtnisleistung festgestellt. Humanstudien sollen folgen.
Koffein kann Alzheimer stoppen. Mehr noch, die Gedächtnisleistung kann vollständig wieder hergestellt werden. Das haben US-amerikanische Wissenschaftler vom Florida Alzheimer's Disease Research Center (ADRC) im Tierversuch an Mäusen herausgefunden. Die Nager bekamen eine tägliche Koffeinmenge, die etwa fünf Tassen Filterkaffee entspricht.
Die Forscher konnten nachweisen, dass Beta Amyloid, ein bestimmtes eng an die Krankheit gekoppeltes Protein, bei Koffeingabe im Gehirn und im Blut deutlich zurückgeht (siehe Foto). Im gleichen Maße verschwanden die Alzheimer-Symptome, heißt es in den im «Journal of Alzheimer's Disease» veröffentlichten Studien.
Heilende Wirkung des KoffeinsBereits in früheren Versuchen wurden an Mäusen die vorbeugenden Eigenschaften des Koffeins für Alzheimer-Erkrankungen festgestellt. Nach den neuen Ergebnissen betont Hauptautor Gary Arendash nun die heilende Wirkung der Substanz. Die Gedächtnisleistung der Alzheimer-Mäuse konnte durch die Koffeingabe voll wiederhergestellt werden. Diese Eigenschaft könnte in Zukunft auch in der humanen Alzheimer-Therapie eine wesentliche Rolle spielen, meint der Neurowissenschaftler. Ein weiterer Vorteil sei die verhältnismäßig gute Verträglichkeit der Substanz, auch gelange sie schnell ins Gehirn.
Kein «Hirn-Tuning» im BüroKoffein hat bei gesunden Mäusen keine Auswirkung auf die Gedächtnisleistung, wie die Forscher in einem weiteren Versuch herausfanden.
In einer portugiesischen Langzeituntersuchung wurde schon vor Jahren nachgewiesen, dass unter Alzheimer leidende Menschen signifikant weniger Koffein zu sich nehmen. Ein Gedächtnis fördernder Effekt bei älteren Menschen wurde seitdem in mehreren Studien festgestellt, allerdings nie unter klinischen Bedingungen. Mit den jetzt veröffentlichten Ergebnissen konnte die Wirkung des Koffeins erstmals direkt nachgewiesen werden, so Arendash.
Für ihre Versuche hatten die Forscher am ADRC 55 Mäuse genetisch so manipuliert, dass sie im Alter von 18 bis 19 Monaten Alzheimer-Symptome aufwiesen. Das entspricht einem menschlichen Alter von etwa 70 Jahren. Eine Gruppe der Alzheimermäuse bekam pures Wasser, die andere mit Koffein versetztes. In Tests wurden dann die Gedächtnisleistungen der beiden Alzheimer-Mäuse-Gruppen mit denen einer gesunden Kontrollgruppe verglichen. Die Demenzeffekte bei den mit Koffein behandelten Mäusen verschawnden nach und nach vollständig. Ihre Ergebnisse entsprachen am Versuchsende denen der gesunden Tiere.
Medizinisch unbedenkliche DosisDie gegebene Koffeinmenge von 500 Milligramm entspricht etwas fünf Tassen Filterkaffee oder 14 Tassen Schwarztee. Diese Dosis wird von den US-amerikanischen Gesundheitsbehörden bei einem gesunden Menschen als unbedenklich eingestuft. Ob die Menge bei menschlichen Alzheimer-Patienten den gleichen Effekt wie bei Mäusen hervorruft, ist unklar. Die Forscher hoffen in Kürze mit entsprechenden klinischen Versuchen beginnen zu können.
Da trinkt man doch gerne noch eine Tasse - kann ja nicht schaden. (nz)