29.05.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Offene Krebsgeschwüre auf Tabakprodukten
«Rauchen ist tödlich», lautet die wahre Werbebotschaft der Zigarettenindustrie. Gegen den Widerstand der Tabak-Lobby sollen nächstes Jahr in Deutschland die abschreckenden Bilder auf den Packungen eingeführt werden.
In Deutschland soll es bald Schockbilder von Raucherlungen oder faulenden Zähnen auf Zigarettenschachteln geben. Dazu passend steht der diesjährige Weltnichtrauchertag am Sonntag unter dem Motto: «Die Wahrheit zeigen». Viele Länder wenden dieses Prinzip bereits an – mit Erfolg.
Die neue Maßnahme kündigte die Drogenbeauftragte Sabine Bätzing am Freitag an. Das zuständige Verbraucherministerium habe der Einführung zugestimmt. Sie rechne fest damit, dass die nächste Bundesregierung Anfang kommenden Jahres den Weg für die neuen Warnhinweise freimachen werde. Ende 2010 sollen die ersten Zigarettenschachteln mit Warn-Bildern verkauft werden können.
Jahrelang durch Tabak-Lobby blockiertNoch vor wenigen Wochen hatte Bätzing eine schnelle Umsetzung bezweifelt, obwohl die Empfehlung der Europäischen Kommission bereits 2003 ausgesprochen wurde. Die Einführung der Schockbilder wurde durch die Tabak-Lobby immer weiter verzögert. Auch innerhalb der Koalition stritt man jahrelang über diese Maßnahme.
Experten sind sich weitgehend einig, dass sie vor allem Jugendliche abschrecken. «Textliche Warnhinweise wirken, bildliche Warnhinweise wirken noch besser», betonte Bätzing. Die Schockbilder «zeigen auf der Verpackung die wahre Werbebotschaft: Rauchen ist tödlich».
Bilder von Leichen auf Wirksamkeit überprüftDie Bilder, die neben symbolischen Motiven beispielsweise auch ein zerstörtes Gebiss, ein offenes Krebsgeschwür oder Leichen zeigen werden von der EU zur Verfügung gestellt. Sie würden gerade auf ihre Wirksamkeit überprüft und bis Anfang 2010 überarbeitet.
Zahlreiche Studien und ein vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg vorgestellter Report belegten eindeutig, das Warnungen mit Bildern und Texten deutlich besser wahrgenommen als die jetzigen Warn-Texte auf Tabakprodukten. Die entsprechenden Texthinweise auf Zigarettenpackungen gibt es in Deutschland seit 2003.
Schockbilder nur in drei Ländern EuropasDie EU-Kommission hatte am Donnerstag Deutschland und 16 andere EU-Länder erneut aufgefordert, Zigarettenschachteln mit entsprechenden Warnhinweisen zu bedrucken. Bisher ist EU nur Belgien, Großbritannien und Rumänien der Fall, teilte Gesundheitskommissarin Androulla Vassiliou mit.
In Lettland, Frankreich, Irland, Malta, Polen, Spanien und Ungarn sei die Einführung von Schock-Bildern allerdings geplant. Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO, und die Bundesärztekammer unterstützen die Bilderkampagne. . «Das ist eine einfache und günstige Art, die Menschen aufzuklären und den Tabakkonsum zu senken», so Shint Young-Soo von der WHO.
140.000 Tote pro JahrWeltweit sterben nach WHO-Angaben mehr als fünf Millionen Raucher pro Jahr an ihrer Sucht, 80 Prozent davon in Entwicklungsländern. Das sind mehr Menschen, als durch HIV/Aids, Malaria und Tuberkulose zusammen. In Deutschland rauchen 19 Millionen Menschen. 140.000 sterben nach Angaben der Deutschen Krebshilfe jährlich an den Folgen des Tabakkonsums. (nz/dpa/AP)