04.05.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Ein thailändischer Junge rennt mit Schweinen um die Wette
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Die Anzahl der Grippe-Infizierten steigt, doch die schweren Erkrankungen bleiben zumindest in Europa vorerst aus. Die Weltgesundheitsorganisation WHO warnt vor einer Ausbreitung und relativiert zugleich die Gefahren.
Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat die höchste Pandemie-Warnstufe 6 in Aussicht gestellt. «Es ist nur eine Frage, bis wir Stufe 6 erreichen - es sein denn, dass das Virus plötzlich schwächer wird und abstirbt», sagte WHO-Sprecher Thomas Abraham am Montag in London.
Stufe 6 bedeute aber nicht zwangsläufig, dass alle Länder von der Grippe betroffen seien und viele Menschen sterben müssten, sagte WHO-Chefin Margaret Chan der Zeitung «El País». Sie betonte jedoch, die Anhebung der Warnstufe stehe nicht unmittelbar bevor. Weltweit sind demnach bereits mehr als 1000 Menschen an der Mexikanischen Grippe erkrankt. In 20 Ländern der Erde seien bestätigte Fälle aufgetreten, teilte die WHO am Montag mit.
«Alle Welt ist gefährdet, von dem Erreger angesteckt zu werden», warnte WHO-Generaldirektorin Margaret Chan in einer Videoschaltung aus Genf nach New York. Dort befassten sich die 192 Mitgliedsländer der Vereinten Nationen in ihrer Vollversammlung mit dem Thema. In Deutschland haben sich seit Sonntag keine neuen Fälle der Grippe bestätigt. Bei allen acht Infizierten habe die Erkrankung einen leichten Verlauf genommen, sagte Jörg Hacker, Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI) in Berlin.
1003 Menschen erkranktChan warnte jedoch davor, das A/H1N1-Virus wegen seiner milden Form nicht ernst zu nehmen. Die Spanische Grippe von 1918 sei in der ersten Welle ebenfalls sehr milde verlaufen, habe dann aber in einem zweiten Anlauf zu ihrem tödlichen Schlag ausgeholt. Der Pandemie fielen damals weltweit mindestens 25 Millionen Menschen zum Opfer.
An dem neuen Grippevirus sind nach WHO-Angaben mittlerweile 1003 Menschen in 20 Ländern erkrankt. Portugal hatte am Montag erstmals einen Fall gemeldet, in Großbritannien stieg die Zahl der Infizierten von 18 auf 27, in Italien von zwei auf vier. Das EU-Zentrum für Seuchenbekämpfung (ECDC) in Stockholm registrierte 929 Fälle außerhalb und 79 innerhalb Europas und damit etwas mehr als die WHO.
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon versicherte der Welt in seiner Rede vor dem Plenum in New York, die Organisation habe alle Maßnahmen getroffen, damit jedes Land die nötigen Mittel habe, sich selbst vor der Grippe zu schützen. «Das UN-System hat sich seit dem Vogelgrippe-Alarm von 2006 auf den Kampf gegen eine Pandemie vorbereitet.»
Streit zwischen Mexiko und ChinaMexikos Präsident Felipe Calderón beschwerte sich unterdessen über das Vorgehen anderer Staaten gegen seine Landsleute. Die Kritik bezog sich vor allem auf China, wo am Wochenende etwa 70 gesunde Mexikaner in einem Krankenhaus isoliert worden waren. Am Montag sollte ein Flugzeug nach China geschickt werden, um die Isolierten nach Mexiko zurückzuholen. Das mexikanische Außenministerium riet von Reisen nach China ab.
Nach dem jüngsten Report des mexikanischen Gesundheitsministeriums stieg die Zahl der Grippekranken in Mexiko auf 701, davon sind 26 gestorben. Das waren 111 nachgewiesene Fälle und vier Tote mehr als am Vortag.
Auch Hongkong griff zu einer drastischen Maßnahme gegen die Grippe: Es stellte das gesamte Hotel Metropark mit 300 Gästen und dem Hotelpersonal für sieben Tage unter Quarantäne. Dort hatte ein 25 Jahre alter Mexikaner übernachtet, bei dem später die Mexikanische Grippe diagnostiziert worden war.
Milde Verläufe in EuropaWährend in Mexiko 26 Menschen und in den USA ein Kind gestorben sind, werden aus den betroffenen europäischen Ländern weiter durchweg milde Verläufe gemeldet. Derzeit sind RKI-Expertenteams sowohl in Bayern als auch in Brandenburg unterwegs, um den Kreis möglicher Kontakte der dort Erkrankten zu überprüfen. Bislang gibt es jedoch keinerlei Hinweise für weitere Infektionen im Umfeld.
Das an der Grippe erkrankte Ehepaar in Frankfurt/Oder kann nach Ärzteeinschätzung am Freitag oder Samstag entlassen werden. Seit Sonntag müssen Ärzte bundesweit bereits Verdachtsfälle dem Gesundheitsamt melden. Hacker betonte, dass sich dieses Verfahren, das im Rahmen des mehrstufigen Pandemie-Plans vorgesehen ist, auch bei anderen Grippewellen bewährt habe.
Forschern aus Berlin und Marburg gelang ein grundlegender Schritt im Kampf gegen die Grippe: Sie züchteten im Labor erste Isolate des Virus, die eine Grundlage für die Herstellung eines Impfstoffs sind, wie das Robert-Koch-Institut (RKI) mitteilte. Es sei damit zu rechnen, dass die Erbsubstanz in den nächsten Tagen entschlüsselt werde. «Das ist wissenschaftlich eine neue Qualität», erklärte RKI-Präsident Hacker. (dpa/AP/nz)