Verdachtsfälle nicht bestätigt: 

netzeitung.deDeutschland zittert vor der Mexiko-Grippe

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Eingang zum Klinikum Bielefeld (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Eingang zum Klinikum Bielefeld
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Die ersten drei Verdachtsfälle in Bielefeld konnten nicht bestätigt werden. Doch in Deutschland geht die Angst vor der so genannten Schweinegrippe um - von den Flughäfen über die Krankenhäuser bis zu den Tierzüchtern.

Drei Verdachtsfälle auf Schweinegrippe in Bielefeld haben sich am Montagabend als unbegründet erwiesen. In zwei Fällen gab das Bielefelder Klinikum Entwarnung. Ein zunächst von den Behörden bestätigter dritter Verdachtsfall entpuppte sich als Fehlinformation.

War zunächst von drei möglichen Patienten die Rede, stellte sich später heraus, dass nur bei einem Geschwisterpaar Verdachtssymptome festgestellt worden waren, wie das Presseamt der Stadt auf Anfrage mitteilte. Wie es zu der Fehlinformation gekommen war, wurde am Montagabend noch geprüft.

Ein junger Mann hatte nach seiner Rückkehr aus einem Mexiko-Urlaub über eine fieberhafte Erkältung geklagt und war nach Behördenangaben auf die Isolierstation des Klinikums der Stadt verlegt worden. Auch seine Schwester stand im Verdacht, sich in Deutschland bei ihm mit der Schweinegrippe angesteckt zu haben. Schnelltests fielen jedoch noch am Montag bei den Geschwistern negativ aus. «Damit kann nahezu ausgeschlossen werden, dass sie Schweinegrippe haben», sagte ein Sprecher des Klinikums. Weitere Tests sollen in den kommenden Tagen letzte Sicherheit schaffen.

Schweinehalter sehen sich gerüstet
Dennoch dürfte die Schweinegrippe Deutschland nach der Einschätzung von Experten schon sehr bald erreichen. «Man muss täglich damit rechnen», sagte der Präsident des Berliner Robert-Koch-Instituts (RKI), Jörg Hacker, am Montag im Rundfunk Berlin-Brandenburg.

Die Bundesregierung sieht bislang keine direkte Bedrohung für die Bevölkerung: «Eine unmittelbare Gefährdung besteht nicht», betonte der Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums, Klaus Vater. Der sechsstufige Pandemie-Plan sei angelaufen, derzeit gelte Stufe 3 von 6. Krisenstäbe würden erst bei Stufe 4 eingesetzt - diese werde ausgerufen, wenn sich ein Verdachtsfall bestätigt habe.

Deutschen Schweinehaltern macht die Krankheit unterdessen keine Angst: «Wenn man normale Vorsichtsmaßnahmen walten lässt, sehe ich für Deutschland keine Gefahr», sagte Bauernverbandspräsident Gerd Sonnleitner. Vorsorge für solche Epidemien sei getroffen; Hygienemaßnehmen würden eingehalten.

Alarmbereitschaft am Flughafen
Am größten deutschen Flughafen in Frankfurt am Main herrscht erhöhte Alarmbereitschaft. Bereits seit Samstag gibt es die Anweisung, Reisende aus Mexiko, bei denen Verdacht auf Schweine-Influenza besteht, noch im Flugzeug zu untersuchen und gegebenenfalls in die Uni-Klinik zu bringen, wie das hessische Gesundheitsministerium mitteilte. In Frankfurt gibt es täglich einen Lufthansa-Flug von beziehungsweise nach Mexiko-Stadt.

Unklar ist, ob und wenn ja wie weit die normale Grippe-Impfung gegen das H1N1-Virus schützt: RKI-Präsident Hacker betonte, es sei noch nicht klar, ob die herkömmliche Grippe-Impfung helfe. «Aber die gute Nachricht ist: Nach allen Informationen, die uns vorliegen, helfen Arzneimittel, mit der auch die normale saisonale Grippe behandelt wird», sagte er der «Neuen Presse» in Hannover.

Veranstalter lassen Mexiko-Urlauber umbuchen
Indes haben auch die großen Reiseveranstalter schnell reagiert. Wegen der Grippe in Mexiko bieten TUI und Thomas Cook ihren Gästen jetzt kostenlose Umbuchungen an. Dies gilt vorerst für Abflüge bis zum 4. Mai, teilten die Unternehmen am Montag mit.

Andere Reisemarken blieben dabei, keine Umbuchungen zu ermöglichen. Das Auswärtige Amt hat unterdessen seinen Reisehinweis verschärft: Es rät seit Montag «von nicht unbedingt erforderlichen Reisen nach Mexiko» ab. In dem amerikanischen Land sind in den vergangenen Tagen mehr als 140 Menschen an der Grippe gestorben.

TUI-Gäste mit Umbuchungswunsch können laut Köpers zum Beispiel nach Florida oder in die Karibik ausweichen. Auch dem Wunsch nach einer vorzeitigen Abreise aus Mexiko werde nach Möglichkeit entsprochen. Die Regelung, kostenlose Umbuchungen anzubieten, gilt aber noch nicht für Reisen in andere Länder, in denen das Virus bereits festgestellt wurde, etwa für die USA. Der Krisenstab des Reiseveranstalters behalte die Entwicklung aber auch dort im Blick.

Streit um Reisestornos
Reiserechtler halten neben Umbuchungen auch kostenlose Stornos von Mexiko-Reisen für zulässig. «Der Ausbruch der Schweinegrippe ist ein Fall von höherer Gewalt, der kostenloses Stornieren erlaubt», erklärte Sabine Fischer-Volk von der Verbraucherzentrale Brandenburg in Potsdam.

Auch weil das Virus von Mensch zu Mensch übertragen wird und Schutzmaßnahmen schwierig sind, müsse davon ausgegangen werden, dass Touristen in Mexiko derzeit gesundheitlich gefährdet sind. «Deswegen besteht ein außerordentliches Kündigungsrecht.» Der Kunde könne den Reisepreis zurückverlangen und müsse keine Stornogebühren bezahlen. (dpa/AP/nz)