24.04.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Impulsives Handeln begünstigt Alkoholismus
Impulsive Mäuse sind stark suchtgefährdet. Sie werden besonders häufig zu Alkoholikern. Das ist genetisch bedingt und lässt sich auch auf den Menschen übertragen, fanden US-Forscher heraus.
Impulsives Verhalten ist genetische bedingt, Alkoholismus ebenso. US-Amerikanische Forscher der Indiana University-Purdue University Indianapolis haben im Tierversuch einen Zusammenhang der beiden Phänomene festgestellt. So könne die Voraussage-Wahrscheinlichkeit für Alkoholismus und andere Suchtformen deutlich erhöht werden.
Der Verhaltensgenetiker Nicholas Grahame und sein Team haben über 30 Generationen hinweg zwei genetisch unterschiedliche Sorten von Mäusen gezüchtet. Die einen tranken große Mengen Alkohol, die anderen vermieden ihn. Diesen genetisch unterschiedlichen Tieren wurden zwei verschiedene Arten von Belohnungen angeboten: Eine sofortige kleine und eine größere mit einer zeitlichen Verzögerung.
Der schnelle Kick - Menge egalIndem die Größe der sofortigen Belohnung verändert wurde, konnten die Wissenschaftler Erkenntnisse über den Grad der Impulsivität der Nager gewinnen. Impulsive Mäuse ziehen die sofortige Lösung auch bei immer geringeren Dosen vor. Die Mäuse mit den «Alkoholiker-Genen» waren deutlich impulsiver, als ihre wenig trinkenden Artgenossen. Es gibt also eine Verbindung zwischen Impulsivität und Alkoholismus, folgerten die Verfasser der Studie, die in der July-Ausgabe des Fachjournals «Alcoholism: Clinical and Experimental Research» erscheint.
Eine hohe Impulsivität entspricht einem geringen Maß an vorausschauendem Handeln. Der mittelfristige Nutzen des eigenen Aktion wird igrnoriert. Diese Eigenschaft gibt es nicht nur bei alkoholabhängigen Mäusen.
Arbeit - Geld - AlkoholEin schwerer Alkoholiker «belohnt» sich morgens, indem er trinkt und nicht zur Arbeit geht – eine sofortige, aber kleine Belohnung. Mit dem Geld für seine Arbeit, könnte er sich mittelfristig deutlich größere Mengen Alkohol besorgen, sich also stärker «belohnen», so das Beispiel von Grahame.
Der Zusammenhang zwischen impulsivem Verhalten und der Wahl einer sofortigen, wenn auch kleineren Belohnung ist in vielen Studien nachgewiesen worden. Neu an dieser Studie ist die genetische Komponente. Sie begründen die Forscher damit, dass beide Zuchtreihen vor dem Start des Experiments nicht mit Alkohol in Berührung gekommen sind. Die unterschiedlichen Reaktionen der Versuchspopulationen auf die Droge - die einen trinken wenig oder vermeiden Alkohol, die anderen trinken immer mehr - muss also genetischen Ursprungs sein.
Ergebnisse gelten auch für andere Süchte«Unsere Daten können eindeutig auf Menschen übertragen werden und weisen darauf hin, dass Impulsivität eine Rolle in der Ausbildung von Alkoholismus spielt», folgert Grahame. Er bezieht seine Ergebnisse auch auf Spielsucht oder den Missbrauch anderer Drogen. Diese Erkenntnis könnte neue Ansätze in der Suchttherapie bieten.
Suzanne H. Mitchell von der Oregon Health & Science University geht noch einen Schritt weiter. Wenn ein solcher Zusammenhang bestehe, könne man schon bei Kindern und Jugendlichen eine Risikoabschätzung für Abhängigkeiten vornehmen – eine in ihrer möglichen Konsequenz zumindest diskussionswürdige Schlussfolgerung.
Für das Web ediert von Patrick Loewenstein