Fortschritt im Tierversuch:
Lila Tomaten gegen Krebs
27.10.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Gut gegen Krebs: Lila Tomaten
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Löwenmäulchengene färben Tomaten lila und schützen vor Krebs. Ein ähnlicher Effekt ist auch beim Verzehr herkömmlicher Tomaten mit Öl zu beobachten.
Britische Genetiker haben lila Tomaten hergestellt, die möglicherweise vor Krebs schützen. Sie enthalten den Pflanzenfarbstoff Anthocyan, der im Körper schädliche Radikale abfängt.
Wie die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift «Nature Biotechnology» beschreiben, verlängerten lila Tomaten die Lebenserwartung von krebsanfälligen Labormäusen um 28 Prozent: Die Mäuse mit starker Neigung zu Lymphknotentumoren starben bei normaler Kost im Durchschnitt nach 142 Tagen an Krebs. Solche, die regelmäßig Pulver aus lilafarbenen Tomaten erhielten, erst nach 182 Tagen. Rote Tomaten hingegen hatten keinen positiven Effekt auf das Lebensalter der Nager.
Wasserlösliche PflanzenfarbstoffeDie Forschergruppe um Eugenio Butelli am John Innes Centre in Norwich hat zwei Erbanlagen aus Löwenmäulchen in haushaltsübliche Tomaten eingebracht. Die neue Tomatensorte produziert besonders viele Anthocyane, das sind wasserlösliche dunkle Pflanzenfarbstoffe, die auch Brombeeren und Heidelbeeren ihre Farbe geben und vorbeugend gegen bestimmte Krebsarten wirken. Nach Angaben der Wissenschaftler enthalten ihre lila Tomaten dreimal soviel Anthocyane wie gewöhnliche Tomaten.
Volker Böhm, Ernährungswissenschaftler an der Universität Jena, bestätigte, dass Anthocyane gesundheitsfördernd seien, kann aber «nicht nachvollziehen, wieso im Tierexperiment der Verzehr der roten Tomaten keine Wirkung gezeigt hat.» Wie die Studien anderer Forscher demonstriert hätten, würden auch rote Tomaten das Krebsrisiko vermindern, da sie die orange-roten Karotinoide enthalten, die ebenfalls Radikale abfangen.
Art der Zubereitung ist entscheidendAber: «Der menschliche Körper kann Anthocyane sehr viel besser aufnehmen als Karotinoide», denn diese sind nicht wasserlöslich. Die Art der Zubereitung sei daher entscheidend, erklärt Volker Böhm. Das sei möglicherweise ein Problem bei Eugenio Butellis Versuchsmäusen gewesen: Diese hatten lediglich Pulver aus gefriergetrockneten Tomaten zu fressen bekommen.
In einem sind sich Volker Böhm und Eugenio Butelli einig: Rote Tomaten sollte man immer gemeinsam mit etwas Öl zu sich nehmen - das helfe dabei, die Karotinoide aus der Frucht frei zu setzen. (nz/dpa)
(Fachartikelnummer DOI: 10.1038/nbt.1506)