Nobelpreisträger zur Hausen:
Krebs mit «seherischen Fähigkeiten» erforscht
06.10.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Bewundert wird zur Hausen vor allem für die unerschütterliche Beharrlichkeit, mit der er seine Idee verteidigte. «Zur Hausen hat zu früheren Zeiten mit seinem Ansatz sehr kontrovers dagestanden und musste manches Gelächter einstecken. Er hat sich gegen alle Widerstände durchgekämpft», sagt die Berliner Aidsforscherin Karin Mölling vom Max-Planck-Institut für Molekulare Genetik. Die Zuerkennung des Medizin-Nobelpreises sei hochverdient, betonte Hillemanns: «Das ist phänomenal, die Würdigung einer unglaublichen Leistung.»
Von 1983 bis zu seiner Emeritierung im März 2003 war er Vorsitzender und Wissenschaftliches Mitglied des Stiftungsvorstands des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg. Er hatte großen Anteil daran, dass das DKFZ mittlerweile zu den weltweit führenden Instituten der Krebsforschung zählt. Seit 2003 ist zur Hausen Vizepräsident der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina in Halle.
Der mit der aus Südafrika stammenden Virusforscherin Ethel-Michele de Villiers verheiratete Mediziner ist seit einigen Jahren Chefredakteur des «International Journal of Cancer». Dieses Fachblatt habe er zur renommiertesten Krebszeitschrift der Welt gemacht, sagt Reinhard Kurth, bis Ende 2007 Leiter des Robert Koch-Instituts (RKI) in Berlin. Zudem schreibe er Bücher - und das nicht nur über Krebsviren. 2007 erschien «Genom und Glaube: Der unsichtbare Käfig», in dem sich zur Hausen unter anderem mit den ethischen Grenzen der Gentechnik beschäftigt.
Viel Zeit für Privates lässt sich zur Hausen nach wie vor nicht. «Er hat sein Leben der Wissenschaft verschrieben», sagt Kurth. Begeistern könne er sich für Pflanzen. «Er gärtnert sehr gern und hat einen fantastischen Wintergarten am Haus.»
Für seine Leistungen wurde Harald zur Hausen schon vor der Zuerkennung des Medizin-Nobelpreises 2008 mit vielen Auszeichnungen bedacht. Unter anderem erhielt er den Robert-Koch-Preis (1975), den Paul-Ehrlich- und Ludwig-Darmstaedter-Preis (1994), den Ernst-Jung- Preis (1996), den Charles Rodolphe Brupbacher-Preis (1999) sowie den Raymond Bourgine Award (2006). Dem Forscher wurden zudem mehrere Ehrendoktor-Würden und im April 2004 das Große Bundesverdienstkreuz verliehen. (dpa)

