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Schlimmer Verdacht in Goslar: 

Patienten infizieren sich mit Hepatitis beim Arzt

25. Sep 2008 14:39
Ein Arztbesuch kann auch unangenehme Folgen haben
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Der Landkreis Goslar ruft 2000 Patienten zu Test auf, denn offenbar ist eine Arztpraxis für die Erkrankungen von mehren Menschen verantwortlich. Gegen den Arzt wird ermittelt.

Nachdem sich mindestens zwölf Menschen offenbar in einer Arztpraxis mit Hepatitis C infiziert haben, ruft der niedersächsische Landreis Goslar rund 2000 Menschen zu einem Test auf. Nach einer Häufung von Erkrankungen bestehe der Verdacht, dass eine Arztpraxis die Infektionsquelle sei, sagte Landkreissprecherin Britta Weber. In Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft wurden daher knapp 2.000 Patienten ermittelt, die sich infiziert haben könnten und sich kostenlos testen lassen können.

Laut Weber wurden Ende Mai drei Hepatitis-C-Erkrankungen an das Gesundheitsamt gemeldet. Als dieses daraufhin nachprüfte, ob es bei den Fällen Gemeinsamkeiten gebe, stieß es auf die Arztpraxis. Weitere Kontrollen ergaben, dass mindestens zwölf Patienten der Praxis mit Hepatitis C infiziert sind. Derzeit gehen die Behörden dem Verdacht nach, dass die Praxis die Infektionsquelle ist. «Es wird aber noch mehrere Wochen dauern, bis ein genetischer Beweis - eine sogenannte Genotypisierung - vorliegt, ob die Viren vom gleichen Stamm sind», sagte Weber.

Infotelefon geschaltet

Die Betroffenen sind inzwischen alle in ärztlicher Behandlung. In Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft Braunschweig wurde die Patientendatei der Praxis ausgewertet. Am Mittwoch hat der Landkreis nun begonnen, alle rund 2000 in Frage kommenden Patienten anzuschreiben, die sich ebenfalls infiziert haben könnten. Ihnen wurde empfohlen, sich vom Gesundheitsamt oder ihrem Hausarzt untersuchen zu lassen. Zudem wurde ein Infotelefon geschaltet.

«Die ersten Betroffenen haben am Donnerstag Post bekommen, die Terminvergabe für die Blutproben ist bereits angelaufen», sagte Weber. Auch das Infotelefon werde sehr gut genutzt. Dies zeige, dass die Entscheidung richtig gewesen sei, mögliche Betroffene bereits zu informieren, bevor Gewissheit über die Infektionsquelle vorliege.

Zwei Strafanzeigen gegen Arzt

Gegen den Arzt wurde Anfang September ein Ermittlungsverfahren eingeleitet, wie Joachim Geyer von der Staatsanwaltschaft Braunschweig der AP sagte. Zum einen habe ein Anwalt eines Patienten Strafanzeige gestellt, der eine Desensibilisierung habe durchführen lassen und dann an Hepatitis erkrankt sei. Zudem habe auch der Landkreis Goslar Strafanzeige gestellt. «Wir gehen nun einem Anfangsverdacht auf Körperverletzung nach und müssen klären, ob die Infektionen auf die hygienischen Zustände in der Praxis zurückzuführen sind», sagte Geyer.

Bei einer Durchsuchung der Praxis Anfang September sei umfangreiches Beweismaterial sichergestellt worden, das zurzeit ausgewertet werde. Die Praxis ist vorerst weiter geöffnet. Hepatitis-C-Viren werden fast ausschließlich über Kontakt mit Blut übertragen. In den meisten Fällen verläuft die Infektion unauffällig, allerdings kann sie in chronische Formen übergehen, die zu schweren Leberschäden führen kann. Bei einer rechtzeitigen Behandlung können chronische Formen und Spätfolgen meist verhindert werden. (AP)


 
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