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Weltpremiere in München: 

Landwirt wurden zwei Arme transplantiert

01. Aug 2008 16:16
Über 40 Ärzte operierten den Mann
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Das Herzen, Nieren oder Lebern verpflanzt werden, ist heutzutage normal. Doch dass Ärzte einem Mann zwei komplette Arme transplantieren, hat es noch nicht gegeben. Eine extrem riskante Operation in München.

Mit der Transplantation von zwei kompletten Armen ist Münchner Ärzten eine Weltpremiere gelungen. Sie verpflanzten die Gliedmaßen eines Toten in einer 15-stündigen Operation an einen 54-jährigen Landwirt, der seine Arme bei einem Betriebsunfall verloren hatte, wie das Universitätsklinikum rechts der Isar am Freitag mitteilte.

Der Eingriff fand bereits am 25. und 26. Juli nach mehrjähriger Vorbereitungszeit statt. Der Klinik zufolge ist es weltweit das erste Mal, dass ganze Arme verpflanzt wurden. Dem Patienten gehe es gut. An der Operation seien fünf Teams mit insgesamt über 40 Chirurgen, Anästhesisten, Schwestern und weiteren Helfern beteiligt gewesen, sagte Reiner Gradinger, der ärztliche Direktor des Klinikums. «Der Eingriff ist bis jetzt optimal verlaufen.»

Durchblutung der Muskeln ist der schwierigste Teil

Komplikationen habe es keine gegeben, betonte Christoph Höhnke, Oberarzt für Hand- und Plastische Chirurgie: «Das Ganze lief ab wie ein Drehbuch.» Zu den schwierigsten Aspekten der Operation habe die Durchblutung der Muskeln in den Spenderarmen gehört, erläuterte Edgar Biemer, der ehemalige Leiter der Abteilung für Plastische und Wiederherstellungschirurgie. «Die Muskeln haben nur eine begrenzte Überlebenszeit», sagte Biemer. Nach vier bis fünf Stunden ohne Blutversorgung setze beim Gewebe ein irreversibler Zerfallsprozess ein.

Im linken Armstumpf des Patienten sei die Blutzirkulation wegen einer verschlossenen Hauptvene nicht so einfach herzustellen gewesen, sagte Biemer. Daher habe ein OP-Team Blutgefäße aus dem Schenkel des Patienten entnommen, um mit ihnen den Blutfluss zu stabilisieren.

Haut hat eine starke Immunreaktion

Ein anderes Problem der Transplantation von Gliedmaßen sei, dass sie viel Haut hätten, sagte Chirurgie-Oberarzt Manfred Stangl. Diese habe eine besonders starke Immunreaktion, weshalb das Risiko einer Abstoßung steige. Auch das Mark in den transplantierten Knochen könne den Patienten angreifen. Eine solche Transplantat-gegen-Wirt-Reaktion kann laut Stangl sogar tödlich sein. Zur Zeit vertrage der Patient die Medizin gegen eine Abstoßung jedoch sehr gut.

Bewegen kann der Mann seine neuen Arme noch nicht. Neue Nerven wüchsen nur rund einen Millimeter pro Tag, sagte Hans-Günther Machens, Direktor der Plastischen und Handchirurgie. Es könne daher noch fast zwei Jahre dauern, bis deutlich werde, ob der Mann seine neuen Hände ohne Einschränkungen nutzen könne. «Der Regenerationsprozess wird noch lange dauern», sagte Machens.

Eingriff lange diskutiert

Zur Identität des Toten Spenders wollte die Klinik nichts mitteilen. Auch über den Empfänger wurde wenig bekannt: Der Landwirt habe sich nicht an seine Prothesen gewöhnen können und sich deshalb zu der Operation bereiterklärt, teilte die Klinik mit. Er sei ein gelassener Mensch und habe den Eingriff oft mit seiner Familie diskutiert, erzählte Sibylle Storkebaum, die ihn psychologisch betreut. «Er hatte Phasen des Zweifels», sagte sie.

Vor der Transplantation sei er ganz ruhig gewesen, sagte Oberarzt Höhnke. Der Patient sei sogar mit den öffentlichen Verkehrsmitteln angereist. Laut Krankenhaus liegt der Mann momentan auf der Intensivstation, ist aber bei Bewusstsein. (AP)

 
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