06. Mai 2008 18:47
Die Gefahr, sich durch ungeschützten Sex mit dem HI-Virus zu infizieren, ist größer denn je. Mit «Präventionsmüdigkeit» hat das allerdings kaum ewas zu tun. Aufklärungskampagnen müssen dennoch darauf reagieren.
Unerfreulicherweise nimmt die Zahl der HIV-Infektionen trotzdem weiter zu. Zwar gab es bei bestimmten Risikogruppen, etwa aus der Junkie-Szene oder bei Migranten aus HIV-Schwerpunktländern, im vergangenen Jahr einen Rückgang, dafür stieg die Zahl der positiven Diagnosen bei Männern, die mit Männern Sex haben, überproportional an. Die steigende Zahl der Neudiagnosen habe verschiedene Gründe erläutert die Bundeszentrale: Zum einen lasse sich diese Gruppe öfters testen, wodurch auch mehr Infektionen aufgedeckt werden, zum anderen steige in den letzten Jahren die Zahl anderer sexuell übertragbarer Krankheiten wie Syphilis oder Gonorröh, wodurch sich die auch Übertragungswahrscheinlichkeit von HIV erhöhe. Und letztlich (über)lebten immer mehr Menschen mit HIV, wodurch gerade in den Gefährdetengruppen die Wahrscheinlichkeit zunehme, bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr auf einen HIV-positiven zu treffen.
In der Gruppe mit dem höchsten Zuwachs an HIV-Neudiagnosen, den Männern, die Sex mit Männern haben, findet die Bundeszentrale nach eigenen Angaben keine Hinweise auf ein Nachlassen des Schutzverhaltens. Auch Dirk Sander, Schwulenreferent bei der Deutschen Aidshilfe hält nichts vom Mythos der so genannten Präventionsmüdigkeit. Dennoch schütze selbst umfassendes Wissen um die Übertragungswege von HIV nicht vor «schwachen Momenten», in denen Safer Sex vergessen werde, sagte er der Netzeitung.Die aktuellen Zahlen zeigen, dass die Wahrscheinlichkeit, sich durch ungeschützten Sex mit HIV zu infizieren, gestiegen ist. Ein «schwacher Moment», der zu ungeschütztem Sex führt, ist also gefährlicher den je. Hier müsse Präventionsarbeit ansetzen, sagt Sander. «Wir müssen in dem entsprechenden Setting, also in Clubs oder Szenelokalen, die Leute persönlich erreichen.» Auch außerhalb der großen Städte, ergänzt Sander, denn die HIV-Rate steige vor allem auch in mittelgroßen Städten wie Leipzig oder Hannover. Und letztlich reiche es nicht mehr, nur auf HIV zu schauen. «Die anderen sexuell übertragbaren Krankheiten scheinen inzwischen der eigentliche Motor für hohe Infektionsraten zu sein.» (nz)