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Mehr Neudiagnosen: 

Syphilis lässt HIV-Rate hochschnellen

06. Mai 2008 11:30
Kondome schützen
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Längst unter Kontrolle geglaubte Krankheiten wie die Syphilis sind wieder zurück und verbreiten sich stetig - und damit unter Umständen auch das tödliche HI-Virus. Ein neuer Test soll nun sichere Ergebnisse innerhalb von 20 Minuten liefern.

Die Zahl der Neudiagnosen mit dem Immunschwächevirus HIV ist weiter gestiegen. Wie das Robert-Koch-Institut in seinem Halbjahresbericht mitteilte, wurden im Jahr 2007 insgesamt 2752 neu diagnostizierte HIV-Infektionen gemeldet. Auf Jahressicht ist das ein Anstieg um vier Prozent. «Eine der bislang wenig bekannten Ursachen für den Anstieg ist die hohe Zahl der Syphilis-Infektionen in Deutschland», sagt Jörg Hacker, Präsident des Robert Koch-Instituts.

Das Syphilis-Bakterium und andere sexuell übertragbare Erreger führen über die Förderung von entzündlichen Prozessen dazu, dass daran Erkrankte sich leichter mit HIV anstecken. Ist zum Beispiel ein an Syphilis Erkrankter bereits mit HIV infiziert, dann kann er das HI-Virus leichter weitergeben, er ist also infektiöser. «Prävention, frühzeitige Diagnose und wirksame Therapie der Syphilis und anderer bakterieller sexuell übertragbarer Erreger müssen daher stärker ins Blickfeld gerückt werden», ergänzt Hacker.

Die Zahl der dem RKI übermittelten Syphilisfälle ist nach 2001 erheblich gestiegen, seit 2004 verbleiben die Meldezahlen auf hohem Niveau. Die Zunahme der Syphilis wurde begünstigt durch Risikominderungsstrategien, die auf der Kenntnis oder Abschätzung des gegenseitigen HIV-Status beruhen und die zum Verzicht auf Kondomverwendung bei gleichem HIV-Status führen. Dieses Verhalten scheint daher indirekt und unbeabsichtigt zur Zunahme der Zahl der HIV-Infektionen beigetragen zu haben.

Am meisten betroffen sind mit 65 Prozent nach wie vor Männer, die Sex mit Männern haben. Bei ihnen stieg die Zahl der Neudiagnosen erneut überdurchschnittlich an: im Jahr 2007 um zwölf Prozent gegenüber 2006. Auch bei Personen mit Angabe eines heterosexuellen Infektionsrisikos stieg die Zahl der HIV-Neudiagnosen im Jahresvergleich um 7,5 Prozent. Bei Konsumenten intravenös verabreichter Drogen und bei Migranten aus Ländern, in denen Aids weit verbreitet ist, ging die Zahl der Meldungen dagegen zurück.

Seit 2001 ist die Zahl der Neudiagnosen stetig gestiegen, zum Teil auch durch verbesserte Tests und eine höhere Testrate. Meldungen über HIV-Neudiagnosen dürfen allerdings nicht mit der Zahl der Neuinfektionen gleichgesetzt werden, da eine Infektion und der Test zeitlich weit auseinander liegen können.

Ein weiterer Aspekt, der für den Anstieg der HIV-Zahlen eine Rolle spielt, seien die Veränderungen beim Beginn der HIV-Therapie, vermutet das RKI: Nach 2000 wurde die Behandlung meist nicht mehr direkt nach Bekanntwerden der Infektion begonnen, sondern auf einen späteren Zeitpunkt verschoben – wodurch die Ansteckungsgefahr durch die Betroffenen hoch blieb. Gegenwärtig geht der Trend dahin, dass eher wieder zu einem früheren Behandlungsbeginn geraten wird.

Unterdessen hat ein Team kanadischer Wissenschaftler im Journal PLoS Medicine eine Studie über einen HIV-Schnelltest veröffentlicht. Innerhalb von 20 Minuten soll der Test sichere Ergebnisse liefern, berichtet das Team um Nitika Pant Pai von der McGill University im kanadischen Montreal. Der Test funktioniert über einen Abstrich im Mund, bei dem eine vom Zahnfleisch abgesonderte Flüssigkeit untersucht wird. Blut muss dabei nicht abgenommen werden. Die Übereinstimmung mit den Ergebnissen herkömmlicher HIV-Tests habe bei 100 Prozent gelegen, berichten die Mediziner. Das Team hatte den Test an rund 1200 indischen Frauen ausprobiert. (nz)

 
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