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James Watson: Entdecker der DNA-Struktur
11. Jun 2001 07:04, ergänzt 22. Jun 2001 13:17

James Watson
Foto: web
Als Wissenschaftler verehrt, als Ethiker umstritten: In der Gentechnik-Debatte sorgt James Watson, Nobelpreis-Träger und Entdecker der DNA-Struktur, auch heute für Zündstoff.

BERLIN. Um Frauen zu beeindrucken, lassen sich Männer bekanntlich viel einfallen. James Watson beispielsweise entdeckte im Alter von 24 Jahren die Struktur der Erbsubstanz, weil er unbedingt eine Freundin wollte. So zumindest erzählt es der Nobelpreis-Träger heute, fast 50 Jahre später. Für ernsthaften Gesprächsstoff sorgen derzeit seine jüngsten Äußerungen zur Gentechnik-Debatte und die Kritik an der «Berliner Rede» des Bundespräsidenten Johannes Rau.

«Kaltherzige Heuchler»

Watson geht mit Rau hart ins Gericht: «Ich mag kaltherzige Heuchler nicht, die nur von Fürsorge reden und Dinge sagen, weil sie nett klingen, ohne jegliche moralische Überzeugung. Und Ihr Präsident hört sich so an», sagte der 73-jährige Amerikaner in einem Interview des SZ-Magazins vom 1. Juni 2001.

Rau soll den Mund halten

Mehr in der Netzeitung:
Er bezeichnet es als einen zwanghaften und qualvollen Versuch, ein stark missgebildetes Kind aufzuziehen und zu versuchen, es als menschliches Leben zu sehen. Keine Frau sollte gezwungen werden, ein solches Kind zu bekommen, wenn es sich vermeiden lasse. «Mein Gefühl von Ethik sagt mir, dass Ihr Präsident den Mund halten sollte, wenn er keine Frau ist», so Watson.

Eine ehrliche Debatte über Eugenik

Mehr im Internet:
Mit einem Ethik-Essay in der FAZ hatte Watson schon im September vergangenen Jahres für heftigen Widerspruch gesorgt. Dennoch steht er nach wie vor zu dem, was er damals sagte: «Wäre Hitler nicht Hitler gewesen, hätte es eine ehrliche Debatte über einige seiner Eugenik-Ideen gegeben.» Watson ist selbst Vater eines geistig behinderten Sohnes. Er glaubt, dass man allerdings auch mit normalen Kindern zur gleichen Auffassung kommen könne wie er.

Die Doppelhelix

Der junge Watson
Foto: web
Berühmt wurde Watson im Jahr 1953 durch die Entdeckung der Struktur der Erbsubstanz. Er und sein Kollege Francis Crick hatten herausgefunden, dass des Erbmaterial, die DNA (Desoxyribonukleinsäure), die Form einer Doppelhelix hat. Für die Fachwelt eine Revolution: Diese Struktur erklärte auf einfache Weise, wie sich das genetische Material sauber kopiert. 1962 erhielten Watson und Crick für ihre Entdeckung den Nobelpreis.

James Watson als Schriftsteller

Watson hat sich nicht nur als Forscher einen Namen gemacht. Der ehemalige Harvard-Professor, der das erste Lehrbuch über Molekularbiologie verfasste, versteht sich auch als Schriftsteller: Sein erstes populärwissenschaftliches Buch «The Double Helix» (1968) über die Suche nach der DNA-Struktur ist bis heute ein Wissenschaftsbestseller. Sein neuestes Buch wird «Genes, Girls and Gamov» heißen.

Humanes Genom-Projekt

Kontroversen um die Genforschung ist James Watson nie aus dem Weg gegangen. Er hat sich immer für seine Wissenschaftsdiszipiln eingesetzt. Auch dem Humanen Genom-Projekt, das er von 1989 bis 1992 leitete, verschaffte er den nötigen Schwung für einen erfolgreichen Start.
James Watson hat in seinem Leben viel erreicht. Glücklich ist er dennoch nicht geworden. «Solange wir Krebs und Geisteskrankheiten nicht verstehen, ist unsere Arbeit nicht gemacht.»

Für das Web ediert von Maren Wernecke



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