netzeitung.deStreit um Folgen des Passivrauchens

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'Rauchen gefährdet Ihre Gesundheit', ... aber Passivrauchen? (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe 'Rauchen gefährdet Ihre Gesundheit', ... aber Passivrauchen?
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Vor den Folgen des Passivrauchens wird immer wieder gewarnt. Zwei US-Forscher wollen jetzt den Gegenbeweis angetreten haben. Sie sehen sich schärfster Kritik ausgesetzt - unter anderem wegen der Finanzierung ihrer Studien.

Die Verbindung zwischen Passivrauchen und Herzkrankheit oder Lungenkrebs ist deutlich schwächer als bislang angenommen. Zu diesem Schluss kommen zwei amerikanische Mediziner im «British Medical Journal» und lösen damit heftigen Widerspruch aus.
«Öffentlichkeit verwirren»
«Wir sind entsetzt darüber, dass es der Tabakindustrie gelungen ist, einer Studie mit derart vielen Problemen Aufmerksamkeit zu verschaffen», heißt es in einer Stellungnahme der American Cancer Society, auf deren Daten die neue Analyse größtenteils beruht. Offenbar handle es sich bei der Arbeit um einen erneuten Versuch, «die Öffentlichkeit bezüglich der Gefahren des Passivrauchens zu verwirren.» Eine ähnliche Auffassung vertritt die British Medical Association, deren kommerzieller Arm das Fachblatt herausgibt.

James Enstrom von der University of California in Los Angeles und Geoffrey Kabat von der State University of New York in Stony Brook analysierten Daten von rund 120.000 Kaliforniern, deren Werdegang von 1959 bis 1972 verfolgt worden war. Zusätzlich verschickten sie im Jahr 1999 eigene Fragebögen an die Studienteilnehmer, um deren aktuellen Gesundheitszustand zu ermitteln.

Geld von der Tabakindustrie
Die Analyse der Daten lieferte klare Hinweise darauf, dass Raucher ein höheres Risiko für koronare Herzkrankheit, Lungenkrebs oder andere Lungenkrankheiten aufweisen. Für Passivraucher habe jedoch keine solche Verbindung hergestellt werden können, schreiben die Forscher. Und selbst wenn es eine solche gäbe, müsse das zusätzliche Risiko deutlich niedriger sein als gemeinhin angenommen. «Der Schluss, Passivrauchen verursache Todesfälle aufgrund koronarer Herzkrankheit und Lungenkrebs, erscheint uns verfrüht.»

Die Autoren erklären, in den letzten Jahren direkt oder indirekt Gelder von der Tabakindustrie erhalten zu haben - zum Teil deshalb, weil die öffentliche Hand ihre Studien nicht habe unterstützen wollen. Das allerdings sei aus gutem Grund geschehen, so die Einschätzung der American Cancer Society. Die Arbeit sei methodisch fehlerhaft oder zumindest fragwürdig.

Vorwurf methodischer Fehler
Beispielsweise hätten Enstrom und Kabat nur ein Zehntel der tatsächlichen Studienteilnehmer berücksichtigt und das Zusammenleben mit einem Raucher oder einer Raucherin pauschal als Passivrauchen definiert, ohne die Belastung am Arbeitsplatz zu berücksichtigen. Umgekehrt hätten sie viele heute noch lebende Personen als Passivraucher eingestuft, obwohl deren rauchende Lebenspartner schon längst gestorben seien. (nz/jkm)