Die feste Persönlichkeit gibt es nicht
12.05.2003
Herausgeber: netzeitung.de
Insgesamt absolvierten 132.515 Personen im Alter von 21 bis 60 Jahren den Test und gaben zudem Auskunft über ihre Lebensumstände. Die Datenanalyse zeigte, dass die Gewissenhaftigkeit über den gesamten Altersbereich hinweg anstieg, die Verträglichkeit dagegen jenseits der 50 ein Maximum erreichte und dann wieder abfiel. Neurotizismus, ein Maß für emotionale Instabilität, war bei Männern stets gleich niedrig. Bei Frauen begannen die Werte dagegen auf hohem Niveau und sanken dann kontinuierlich ab. Offenheit und Extraversion veränderten sich nur geringfügig.
Möglicherweise stimmt es also doch, das wir mit zunehmendem Alter zumindest etwas weise werden. Ob Veranlagung oder soziale Umwelt der Auslöser für diese späten persönlichkeitsbildenden Prozesse sind, ist schwer zu sagen, meint Sanjay Srivastava, der das Wissenschaftlerteam leitete. Es sei einerseits möglich, dass allein äußere Faktoren, zu Einsichten führende Erfahrungen also, diese Veränderungen hervorriefen. Andererseits könnte es aber auch sein, dass die Persönlichkeitsveränderungen selbständig ablaufen. Auch so könnten sie dem einzelnen Menschen ermöglichen, überhaupt «weise», also sinnvoll, auf Veränderungen in der Umwelt, im sozialen Umfeld, in den Lebensbedingungen, zu reagieren.
Das Forscherteam will jetzt in einem neuen Projekt eine Gruppe von Menschen über längere Zeit beobachten. Das sollte sicherere Aussagen ermöglichen als die Befragung von Freiwilligen zu nur einem einzigen Zeitpunkt. (nz/jkm)

