Erste Klon-Schweine für die Organspende in Deutschland geboren
09.05.2003
Herausgeber: netzeitung.de
Schweine sind wegen ihres Stoffwechsels, der dem des Menschen ähnelt, der Größe ihrer Organe und - gegenüber beispielsweise Affen - aus Kostengründen und ethischen Erwägungen die favorisierten Spendertiere für eine Xenotransplantation.
Noch kämpft die Xenotransplantation aber mit erheblichen technischen Schwierigkeiten. An erster Stelle steht dabei das Verhindern der Abstoßung des tierischen Organs. Das menschliche Immunsystem reagiert auf die Moleküle auf der Oberflächen der tierischen Zellen mit einer sehr heftigen Abstoßungsreaktion. Die gentechnische Veränderung der Spendertiere zielt darauf ab, diese Reaktion zu verhindern, zum Beispiel indem bestimmte Oberflächenmoleküle entfernt werden. Heiner Niemann hat am Institut für Tierzucht in Mariensee solche gentechnisch veränderten Schweine geklont, um sie in größerer Zahl als bisher erzeugen zu können. Niemann hofft der Xenotransplantationsforschung in Deutschland damit wichtige Impulse geben zu können.
Ermutigend sind jedoch neue Versuche an Affen, denen die Forscher große Mengen der Viren verabreichen und deren Immunsystem ähnlich wie bei einer Transplantation unterdrückt wurde. Sie infizierten sich nicht mit dem Virus. Auch wenn die Affen Organe vom Schwein erhalten hatten, konnte Denner keine Übertragung von PERVs nachweisen. Auch bei Patienten, die in ersten klinischen Versuchen Bauchspeicheldrüsenzellen des Schweins zur Bekämpfung ihrer Diabetes bekommen hatten, waren keine Viren übertragen worden.
200 Patienten sind in Deutschland mittlerweile tierische Gewebe implantiert worden: Inselzellen der Bauchspeicheldrüse des Schweins zur Bekämpfung von Diabetes, neuronale Zellen vom Schwein gegen Parkinson und Schweineleberzellen für Patienten mit akutem Leberversagen. In keinem Fall wurde eine Übertragung von Schweineviren beobachtet.
«Um die Chancen der Xenotransplantation im Interesse der Patienten voll auszunutzen und um etwaige Risiken von vornherein auszuschalten, sind eine verstärkte naturwissenschaftliche Forschungstätigkeit und eine sachliche öffentliche Diskussion notwendig», sagte Reinhard Kurth, Präsident des Robert-Koch-Instituts auf dem Treffen. Weder der Nutzen für die Patienten noch die Risiken der Xenotransplantation könnten bisher vollständig abgeschätzt werden.
Für das Web ediert von Sascha Karberg

