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Erste Klon-Schweine für die Organspende in Deutschland geboren
09. Mai 2003 16:04

In Deutschland gibt es seit Anfang des Jahres geklonte Schweine, die gentechnisch so verändert wurden, dass sie als Organspender für den Menschen geeignet sind. Das wurde heute in Berlin bekannt.

Anfang des Jahres sind am Institut für Tierzucht in Mariensee die ersten geklonten und gentechnisch für die Xenotransplantation veränderten Schweine geboren worden. Das wurde am heutigen Freitag auf der Tagung der Deutschen Arbeitsgemeinschaft Xenotransplantation (DAX) im Berliner Robert Koch-Institut bekannt, auf der Forscher Methoden zum Organersatz durch tierische Gewebe diskutierten.

Eine Drittel stirbt auf der Warteliste

Mehr in der Netzeitung:
Etwa ein Drittel der Patienten, die auf eine Leber, eine Lunge oder ein Herz warten, stirbt nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), noch bevor ihnen ein Organ transplantiert werden kann. Deshalb ist die Xenotransplantation, die Übertragung von Zellen, Geweben und Organen vom Tier auf den Menschen, neben der Stammzellforschung eine der Hoffnungen von Transplantationsmedizinern.

Schweine sind wegen ihres Stoffwechsels, der dem des Menschen ähnelt, der Größe ihrer Organe und - gegenüber beispielsweise Affen - aus Kostengründen und ethischen Erwägungen die favorisierten Spendertiere für eine Xenotransplantation.

Noch kämpft die Xenotransplantation aber mit erheblichen technischen Schwierigkeiten. An erster Stelle steht dabei das Verhindern der Abstoßung des tierischen Organs. Das menschliche Immunsystem reagiert auf die Moleküle auf der Oberflächen der tierischen Zellen mit einer sehr heftigen Abstoßungsreaktion. Die gentechnische Veränderung der Spendertiere zielt darauf ab, diese Reaktion zu verhindern, zum Beispiel indem bestimmte Oberflächenmoleküle entfernt werden. Heiner Niemann hat am Institut für Tierzucht in Mariensee solche gentechnisch veränderten Schweine geklont, um sie in größerer Zahl als bisher erzeugen zu können. Niemann hofft der Xenotransplantationsforschung in Deutschland damit wichtige Impulse geben zu können.

Risiko Schweineviren

Ein anderes Problem stellt die mögliche Übertragung von Viren oder Bakterien vom Schwein auf den Patienten dar. Während die meisten Erreger durch Auswahl und geeignete Haltung der Schweine beseitigt werden können, ist das für die so genannten PERVs nicht möglich. Diese «porcinen endogenen Retroviren» sind im Erbgut aller Schweine verankert. Arbeitsgruppen wie die von Joachim Denner am Robert Koch-Institut hatten in der Vergangenheit nachweisen können, dass PERVs menschliche Zellkulturen infizieren können.

Ermutigend sind jedoch neue Versuche an Affen, denen die Forscher große Mengen der Viren verabreichen und deren Immunsystem ähnlich wie bei einer Transplantation unterdrückt wurde. Sie infizierten sich nicht mit dem Virus. Auch wenn die Affen Organe vom Schwein erhalten hatten, konnte Denner keine Übertragung von PERVs nachweisen. Auch bei Patienten, die in ersten klinischen Versuchen Bauchspeicheldrüsenzellen des Schweins zur Bekämpfung ihrer Diabetes bekommen hatten, waren keine Viren übertragen worden.

Schon 200 Xenotransplantationen in Deutschland

Mehr im Internet:
Bei der Erarbeitung von Richtlinien für Xenotransplantationen müssten einerseits die Patienten berücksichtigt werden, die ohne eine Transplantation sterben könnten, sagt Denner. Andererseits sollte vermieden werden, dass neuartige Krankheitserreger vom Tier in den Menschen gelangen und sich möglicherweise in der Bevölkerung ausbreiten.

200 Patienten sind in Deutschland mittlerweile tierische Gewebe implantiert worden: Inselzellen der Bauchspeicheldrüse des Schweins zur Bekämpfung von Diabetes, neuronale Zellen vom Schwein gegen Parkinson und Schweineleberzellen für Patienten mit akutem Leberversagen. In keinem Fall wurde eine Übertragung von Schweineviren beobachtet.

«Um die Chancen der Xenotransplantation im Interesse der Patienten voll auszunutzen und um etwaige Risiken von vornherein auszuschalten, sind eine verstärkte naturwissenschaftliche Forschungstätigkeit und eine sachliche öffentliche Diskussion notwendig», sagte Reinhard Kurth, Präsident des Robert-Koch-Instituts auf dem Treffen. Weder der Nutzen für die Patienten noch die Risiken der Xenotransplantation könnten bisher vollständig abgeschätzt werden.



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