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Lupe Eizellen vom Fließband

Menschliche Eizellen sind rar - und von Klonforschern und Reproduktions-Medizinern begehrt. Jetzt ist es gelungen, die Zellen im Reagenzglas herzustellen.

Sie sind die begehrteste Ressource der Klonforscher und Fortpflanzungsmediziner: Eizellen. Wofür bisher Tausende von Dollar an freiwillige Spenderinnen bezahl werden mussten, könnte bald im Labor am Fließband hergestellt werden. Aus embryonalen Stammzellen der Maus haben amerikanische Wissenschaftler jetzt Eizellen herstellen können.
Lukrative Eierspende
Etwa 2000 Dollar bekommen Frauen, die sich freiwillig Eizellen aus ihrem Eierstock absaugen lassen. In den USA, wo die Eizellspende erlaubt ist, existiert ein regelrechter Markt für diese auf Fortpflanzung spezialisierten Zellen. Die Eizellen werden für künstliche Befruchtungen aber auch für die Forschung an menschlichen Embryonen verwendet. Dazu gehört auch das so genannte «Therapeutische Klonen». Bei dieser Technik soll Eizellen, denen der Zellkern samt Erbgut entfernt wurde, das Erbgut einer Patientenzelle eingepflanzt werden, um daraus Gewebe für Transplantation oder Zelltherapien herzustellen. Diese Zellen enthielten dann das Erbgut des Patienten und würden deshalb vom Körper nicht abgestoßen wie es sonst bei der Verpflanzung fremder Organe geschieht.

Wenn therapeutisches Klonen irgendwann einmal eine Standard-Therapie werden sollte, dann sind die Mediziner auf große Mengen von Eizellen angewiesen. Spenden allein dürften dafür nicht ausreichen. Deshalb haben viele Labors fieberhaft daran geforscht, Eizellen in der Petrischale wachsen zu lassen. Als Ausgangsmaterial dienten so genannte «totipotente» Stammzellen, aus denen theoretisch alle Gewebe des menschlichen Körpers herstellbar sind - mit Ausnahme von Keimzellen, dachten viele Forscher inzwischen. Denn bisher scheiterten alle Versuche, die Stammzellen mit bestimmten Wachstumsfaktoren dau zu bringen, sich zu einer Art Eierstock-Gewebe zu differenzieren.
Zellklumpen als Mini-Eierstöcke
Hans Schöler von der University of Pennsylvania ist das jetzt allerdings doch noch gelungen. Sein Trick war, auf exotische Wachstumsfaktoren zu verzichten. Er ließ embryonale Stammzellen der Maus in besonders hoher Dichte in den Gewebekulturgefäßen wachsen - in einer Standard-Nährlösung. Dabei bildeten sich kleine Zellaggregate, die sich aus dem Zellverband lösten - Klumpen, die andere Forscher wahrscheinlich als Zellreste verwarfen, sagt Schöler. Aber Schölers Mitarbeiterin Karin Hübner entdeckte, dass sich diese Zellen in frischen Kulturgefäßen nach vier Tagen explosionsartig vermehrten.

Eine genaue Untersuchung der Zellklumpen ergab, dass sie wie Minitatur-Eierstöcke funktionieren: Einige kleine Zellen versorgen eine größere Zelle, die sich so zur Eizelle entwickeln kann.
Eine molekularbiologische Untersuchung zeigte, dass die Mini-Ovarien nicht nur solche Gene aktivierten, die in normalen Eierstöcken gebraucht werden, sondern auch Hormone wie Östrogen produzieren.

Die Ähnlichkeit ging sogar so weit, dass die Zugabe des Hormons Gonadotropin in die Kulturflüssigkeit wie normal einen Eisprung aus den Miniatur-Ovarien induzierte.
Ähnlich - oder wirklich gleich?
Auch die Eizellen scheinen normal zu sein, was die Aktivität bestimmter Eizellen-typischer Gene betrifft. Wie normale Maus-Eizellen teilen sich auch diese nach einigen Tagen, wenn die Befruchtung ausbleibt. Dann bilden sich kleine embryonenähnliche Zellhaufen, die dann absterben. Das sei ein Hinweis, dass die Eizellen funktionstüchtig sind, sagte Schöler dem Wissenschaftsmagazin «New Scientist».

Prinzipiell sehen Schöler und seine Mitarbeiter keinen Grund, warum die Methode nicht auch zur Herstellung menschlicher Eizellen verwendbar sein sollte, schreiben Sie in ihrer Veröffentlichung im Fachmagazin «Science». Allerdings seien genauere Untersuchungen nötig, ob die künstlich hergestellten Eizellen tatsächlich wie normale funktionieren. Kurioserweise konnte Schöler nämlich auch aus männlichen embryonalen Stammzellen Eizellen herstellen.


Für das Web ediert von Sascha Karberg