netzeitung.deNervengift gegen chronische Schmerzen

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Das Bakterium Clostridium botulinum produziert das Nervengitft Botulinum-Toxin. (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Das Bakterium Clostridium botulinum produziert das Nervengitft Botulinum-Toxin.
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Botox gehört zu den giftigsten Giften der Welt. Britische Forscher wollen es jetzt als Schmerzmittel einsetzen. Zusätzlich brauchen sie dafür nur noch - einen Korallenstrauch.

Menschen mit chronischen Schmerzen und Krebspatienten können auf ein neues Schmerzmittel hoffen. Es wirke sehr viel länger als Morphine und sei besser verträglich, versprechen seine britischen Entwickler. Das Präparat besteht im wesentlichen aus dem Nervengift Botulinumtoxin, kurz Botox.
Falten, Schweiß – und Schmerz
Das Gift wird von einem in Boden und Wasser lebenden Bakterium erzeugt und kann schon in kleinen Mengen schwere Lebensmittelvergiftungen hervorrufen. In extrem geringen Dosen lässt sich Botox aber auch als Medikament einsetzen, beispielsweise zur Behandlung von Bewegungsstörungen. Den betroffenen Patienten kommt zugute, dass das Gift die Reizweiterleitung vom Nerven zum Muskel unterbricht. Botox-Injektionen helfen auch gegen Falten, weil die Haut sich dadurch gezwungenermaßen entspannt. Auch übermäßige Schweißproduktion kann das Gift abstellen. Das Gift gilt zudem als potenziell hochgefährliche Bio- oder auch Chemiewaffe.

Auf die Reizunterbrechung setzt auch das Forscherteam von Keith Foster am Centre for Applied Microbiology and Research nahe Salisbury, Großbritannien. Um gezielt die Übermittlung von Schmerzsignalen zu verhindern, kombinierten die Forscher Botox mit einem Protein des Korallenstrauchs (Erythrina crista-galli). Dieses Protein kann nur an der Oberfläche schmerzleitender Nervenzellen ankoppeln. Dadurch bleiben andere Nerven sowie die Muskeln unbehelligt.

Patienten-Versuche sollen folgen
In Versuchen an Mäusen sei das Schmerzmittel bereits erfolgreich getestet worden, berichtet das britische Magazin «New Scientist». Während Morphine nur für Stunden betäuben, wirke das Botox-Schmerzmittel bis zu neun Tage lang. Jetzt bereite man erste Versuche mit Krebspatienten vor, kündigte Foster letzte Woche auf einer medizinischen Fachtagung im schottischen Edinburgh an. (nz/jkm)