Menschen-Klonen scheitert offenbar schon am ersten Schritt
11.04.2003
Herausgeber: netzeitung.de
Die Chromosomen, die bei einer Zellteilung gleichmäßig auf die Tochterzellen verteilt werden müssten, finden sich in den Tochterzellen in unterschiedlicher Anzahl. Das kommt einem Todesurteil gleich, oder bedeutet im besten Fall eine schwere körperliche und geistige Behinderung eines so entstandenen Individuums. Bekanntestes Beispiel für eine solche Ungleichverteilung von Chromosomen ist die Trisomie 21. Bei dieser auch als Down-Syndrom bekannten Krankheit hat jede Zelle dreimal das Chromosom 21. Viele normale Befruchtungen führen zu anderen solchen Unregelmäßigkeiten. Die meisten so entstehenden Embryonen nisten sich entweder gar nicht in der Gebärmutter ein oder werden in meist unbemerkten Aborten abgestoßen.
Calvin Simerley, der die Arbeiten leitete, erklärt das Versagen der Technik so: «Wenn Zellen sich teilen, gibt es ein paar grundlegende Dinge, die eigentlich passieren müssen. Und sie sind einfach nicht passiert.» Eines dieser grundlegenden Dinge ist die Ausbildung des so genannten «Spindel-Apparates» vor der eigentlichen Zellteilung. Der Name ist von dessen Aussehen unter dem Mikroskop abgeleitet. Lange Proteinketten bilden eine spindelartige Struktur, an der bei der Zellteilung die einzelnen Tochter-Chromosomen geordnet in Richtung des jeweiligen Endes der Tochterzellen wandern können.
Damit das auch wirklich geordnet und im richtigen Zahlenverhältnis von jeweils 1:1 geschieht, braucht die Zelle einige Hilfsproteine. Bei den Rhesusaffen-Zellen fehlten diese fast vollständig. Sie waren bei der Entfernung des Zellkernes der Eizelle mit abgesaugt worden. Unter dem Mikroskop zeigten sich chaotische Strukturen des Spindelapparates und eine ebenso chaotische Wanderung der Chromosomen: «Die wanderten in alle Himmelsrichtungen», sagt Schatten - kein guter erster Schritt ins Leben.
Auch menschliche Klone, die so erzeugt wurden, dürften sich ähnlich unvorteilhaft entwickeln. Zumindest, sagt Schatten, sind die Verhältnisse in einer unbefruchteten menschlichen Eizelle mit denen bei Rhesusaffen praktisch identisch.
Etwas prosaischer äußert sich der Klon-Pionier Rudolf Jaenisch vom Whitehead-Institute in Cambridge bei Boston.
In der Tat scheint die Pittsburgher Arbeitsgruppe auf dem Weg dahin zu sein. Mit einer neuen Klontechnik hat das Team bereits tatsächlich Zellen mit korrektem Spindelapparat gewonnen. Bei dem Verfahren, sagt Schatten, befruchtet ein Spermium ganz normal ein Ei. Dazu kommt jedoch der Kern einer Körperzelle, der zusätzlich injiziert wird. Daraufhin bildet sich der Spindel-Apparat aus. Erst dann, in der so genannten Interphase der Zellteilung, wird die DNA von Spermium und Ei abgesaugt. Was bleibt, und sich nach Schattens Angaben auch korrekt auf die Tochterzellen verteilen kann, sind die Chromosomen des injizierten Körperkerns.
Bisher hat noch jeder eingehend untersuchte Klon, selbst wenn er es bis zur Geburt und darüber hinaus geschafft hat, genetische Unregelmäßigkeiten gezeigt, die auf die ungenaue Reprogrammierung zurückzuführen sein müssen. Seit der Geburt von Klonschaf Dolly ist kein Klon-Experte diesem grundsätzlichen biologischen Problem auch nur ansatzweise Herr geworden. «Was wir seit sechs Jahren machen», sagt Jaenisch, und bezieht dabei die eigenen Arbeiten ausdrücklich mit ein, «ist eigentlich nur eines: Wir haben die Produktion abnormaler Klone effizienter gemacht.» Für Jaenisch sind diese grundsätzlichen Probleme der Hauptgrund, warum das Klonen von Menschen verboten werden muss. Schatten vertritt die gleiche Meinung. «Alles, was Rudi sagt, ist richtig. Unsere Ergebnisse sind nur ein weiterer Sargnagel für die zweifelhaften Hoffnungen auf das reproduktive Klonen.»
Auch Reverend Cole Turner stößt in seinem Kommentar in «Science» in dasselbe Horn. Es sei Zeit, das «Monster vom Fortpflanzungs-Klonen aus der Debatte zu verbannen, damit medizinische Forschung an embryonalen Stammzellen mit starker Unterstützung weitergehen kann.»

