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Plastikbestandteil gefährdet Kindesentwicklung
01. Apr 2003 09:53

Bisphenol A ist auch in Kunststoff-Flaschen enthalten.
Foto: Harvard University
Ein Plastik-Zusatz kann offenbar die Reifung von Eizellen stören. Die Substanz wird häufig Kunststoff-Verpackungen von Lebensmitteln beigesetzt.

Ein Missgeschick in einem Labor wirft neue Fragen zur Sicherheit einer in Kunststoffen enthaltenen Verbindung auf: Nachdem durch die Reinigung der Plastikkisten, in denen Labormäuse gehalten werden, eine Zusatzstoff aus dem Kunststoff freigesetzt wurde, zeigten die Tiere Erbgutschäden.

Hormonähnliche Wirkung

Mehr in der Netzeitung: Chromosomen-Anomalien
Wie jetzt amerikanische Forscher im Fachblatt «Current Biology» berichten, hat ein alkalisches Reinigungsmittel das Plastikmaterial angegriffen und daraus die Substanz Bisphenol A freigesetzt. Dieser Stoff wird zur Herstellung von Epoxydharzen und Polycarbonaten eingesetzt.

Letztere sind unter anderem in Nuckelflaschen, Beschichtungen von Konserven- und Getränkedosen sowie Plastikbehältern enthalten. Zwar ist bekannt, dass die Verbindung ähnlich dem Hormon Östrogen wirkt. Ob und welche Mengen der Verbindung Plastikprodukte freisetzen dürfen, ist jedoch umstritten. Bei Labormäusen zeigte sich schon bei geringen Konzentrationen eine schädigende Wirkung.

Chromosomen-Anomalien

Mehr im Internet:
Patricia Hunt und ihre Kollegen von der Case Western Reserve University in Cleveland im US-Bundesstaat Ohio fanden bei den unbeabsichtigt dem Bisphenol A ausgesetzten Tieren, dass ihre Eizellen häufig eine abnorme Zahl von Chromosomen aufwiesen. Offenbar war die Zellteilung bei der Heranreifung der Oozyten gestört worden. Derartige Anomalien können bei Menschen zu Geburtsdefekten und geistigen Beeinträchtigungen wie etwa dem Down-Syndrom führen.

Die Forscher ermittelten, dass die Mäuse nach der Käfigreinigung verhältnismäßig hohen Mengen der Verbindung ausgesetzt gewesen waren. Daher führten sie weitere Versuche durch, bei denen sie Oozyten mit geringen Mengen Bisphenol A behandelten. Sie fanden, dass bereits Konzentrationen von 20 Teilen auf eine Milliarde Teile (ppb, parts per billion) über fünf bis sieben Tage ausreichten, um Chromosomen-Anomalien hervorzurufen.

«Wir wissen nicht, welche Effekte, wenn überhaupt, derart niedrige Mengen auf Menschen haben könnten», erläutert Hunt. Eine deutsche Studie habe jedoch gezeigt, dass Schwangere ähnlichen Dosen ausgesetzt seien. «In jedem Fall sollte dies ausreichend Grund für weitere, ausführlichere Studien sein.» (nz/jkm)


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