netzeitung.deErdnuss-Pflanzen ohne Allergie-Risiko

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Erdnüsse können gefährliche Allergien auslösen. (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Erdnüsse können gefährliche Allergien auslösen.
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Forscher haben gentechnisch 'antiallergische' Erdnusspflanzen produziert - die bisher dummerweise keine Nüsse tragen. Gleichzeitig gibt es aber auch noch echte gute Nachrichten für Erdnuss-Allergiker.

Im Prinzip ist es ganz einfach: Ein paar Proteine sind dafür verantwortlich, dass manche Menschen allergisch auf Erdnüsse reagieren. Also: weg mit den Proteinen, weg sind die Allergien.
Gen-Stillegung
Genau das haben Wissenschaftler der Alabama A&M University in einem Städtchen namens Normal jetzt gemacht. Die Arbeitsgruppe um Hortense Dodo wand dafür einen gentechnischen Trick an: In Kulturen mit Zellen von Erdnuss-Pflanzen tauschten die Forscher jene Gene, die den Code für die allergieauslösenden Proteine enthalten, gegen andere Gene aus. Die 'Ersatz-Erbanlagen' waren kürzer als die Originale oder genau entgegengesetzt orientiert.

Für die zelluläre Maschinerie der Protein-Produktion bedeutet das, dass keines dieser Proteine mehr hergestellt wird. Die Wissenschaftler überlisten hier ein zelluläres Kontroll-System. Die anhand der Information der Gene produzierten Boten-RNA-Moleküle (messenger-RNA) sind der erste wichtige Zwischenschritt auf dem Weg vom Gen zum Protein. Sind sie fehlerhaft – so wie bei den neu eingebauten Genen – werden sie von einem zellinternen Kontrollsystem zerstört. Das allerdings – und hier liegt der eigentliche Trick – attackiert dann auch die 'normalen' Boten-RNAs. Das Ergebnis ist eine komplette Stillegung ('silencing') der Allergie-Gene. Die entsprechenden Proteine werden von der Pflanze nicht mehr produziert.

So weit so gut. Allerdings bleibt ein kleines Problem: Die aus den Gentech-Zellen gezogenen Pflanzen wollen bisher keine Erdnüsse produzieren. Kofi Konan, ein Mitglied des Teams, sagte aber bei der Vorstellung der Ergebnisse auf einen Konferenz in Denver, dass er dieses Problem bis Ende des Jahres gelöst haben will.

Vorsicht mit Cremes
Gary Bannon, Gentech-Experte des Agrar-Konzerns Monsanto, äußert sich gegenüber dem Online-Magazin der Fachzeitschrift «Science» da nicht ganz so optimistisch. Die ausgeschalteten Gene Ara h1, Ara h2 und Ara h3 gehörten zu den für die Speicherung von Samen-Protein wichtigen Erbanlagen. Wenn man sie stilllegt, «kriegt man vielleicht auch keine Erdnuss», so Barron. Es könnte also sein, dass die Sache doch ein bisschen schwieriger wird. Um fruchtbare und trotzdem nicht-allergene Pflanzen zu bekommen, muss man die Gene möglicherweise komplett durch andere Gene ersetzen. Sie sollten die gleiche Funktion ausüben wie die drei Ara-Erbanlagen. Ihre Proteine dürften aber das Immunsystem nicht zu Überreaktionen anregen.

Es gibt auch mit weniger Fragezeichen behaftete Nachrichten für Erdnuss-Allergiker – und für Eltern, die ihre Kinder vor einer Allergie schützen wollen. In der aktuellen Ausgabe des «British Medical Journal» berichten Londoner Wissenschaftler von einem Zusammenhang zwischen Babypflege und späteren Allergien. Demnach sind vor allem solche Kinder gefährdet, die mit Erdnuss-Öl enthaltenden Körperlotionen eingecremt werden. Eltern sollten demnach also darauf achten, ihre Kinder nicht mit solchen Produkten in Berührung kommen zu lassen.

Antikörper gegen Immun-Protein
Ein US-Team stellt in der selben Ausgabe des Magazins Ergebnisse von Versuchen mit einem neuen Medikament vor. Die TNX-901 genannte Substanz ist ein Antikörper gegen Immun-Moleküle (Immunglobulin E), die bei der allergischen Reaktion eine wichtige Rolle spielen. Behandelte Patienten vertrugen mit dem Medikament bis zu 18 mal mehr Erdnuss-Protein. Auch bei TNX-901 gibt es allerdings ein Problem: die Firmen, die es zusammen entwickelt haben, Genentech, Tanox und Novartis, streiten derzeit vor Gericht um die Rechte. Weitere klinische Studien sind deshalb derzeit nicht möglich.

Erdnuss-Allergien sind mit die häufigsten Überreaktionen auf Lebensmittel. Sie gehören zudem zu den gefährlichsten: etwa 90 Prozent aller Todesfälle durch Lebensmittel-Allergien werden durch Erdnüsse oder andere Nüsse verursacht.


Für das Web ediert von Richard Friebe