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|  Forscher neutralisieren bittere Pillen
27. Feb 2003 16:18
 | Eine Geschmacksknospe aus der Zunge einer Ratte mit vier Nervenzellen, die dank Gustducin (rot) Bitterstoffe schmecken. | | Foto: Ina Wanner/University of Miami |
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Bittere Pillen gehen schwer über die Zunge. New Yorker Forschern ist es jetzt gelungen, die Wahrnehmung der Bitterstoffe zu blockieren.
Was bitter schmeckt, wird ungern geschluckt. Dieser bei Mensch und Tier angeborene Reflex schützt vor verdorbener Nahrung und Giftstoffen. Unangenehm wird der Schutzmechanismus allerdings, wenn ein Patient bitter schmeckende Medikamente einnehmen muss. Um den Betroffenen die Überwindung beim Schlucken der Präparate zu ersparen, wollen amerikanische Forscher die Bitter-Rezeptoren der Zunge blockieren.
Reaktion auf Bitterstoffe blockiert
Entsprechende Blocker hat das New Yorker Biotech-Unternehmen Linguagen entdeckt. Robert Margolskee, Forscher an der Mount Sinai School of Medicine in New York und Gründer der Firma hat herausgefunden, wie die Geschmacksrezeptoren der Zunge auf Bitterstoffe reagieren. Schon wenige Moleküle solcher Stoffe reichen aus, um in den Rezeptoren das Protein Gustducin freizusetzen. Gustducin löst eine Kette chemischer Reaktionen aus, an deren Ende die Nervenzellen dem Gehirn den Bitterstoff melden.In zahlreichen Testreihen fahndeten Margolskee und sein Team nach Molekülen, die die Freisetzung von Gustducin unterbinden könnten. Im Reagenzglas simulierten sie die Vorgänge auf der Zunge mit Hilfe eines speziellen Farbstoffs. Färbte sich dieser blau, so war das Gustducin freigesetzt worden. Blieb der Stoff farblos, kam er als Bitter-Blocker in Frage. Diese Stoffe wurden dann Labormäusen mit bitterem Trinkwasser verabreicht.
Milder Kaffee
Nachdem die Mäuse das Wasser klaglos getrunken hatten, starteten die Forscher einen Selbstversuch. Sie mischten die Blocker in Kaffee und Grapefruit-Saft. Diese hätten dank der Behandlung «milder und reifer» geschmeckt, sagte Projektleiter Stephen Gravina dem Magazin «New Scientist», räumte aber gleichzeitig ein: «Wir wissen noch nicht genau, wie es funktioniert.»Auf jeden Fall seien die Blockadestoffe ungefährlich, beteuert der Forscher. Es handle sich um Nukleotide - um Moleküle also, die als Bausteine in allen natürlichen Nukleinsäuren vorkommen. Deshalb seien die Blocker auch nicht genehmigungspflichtig, meint Linguagen. Das Unternehmen hat die Substanzen im Januar patentieren lassen. Wie der «New Scientist» meldet, planen bereits ein Pharma-Konzern und ein Unternehmen der Lebensmittelindustrie den Einsatz der Bitterstoff-Blocker. (nz/jkm)
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