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Neugeborene Mäuse: Vater bestimmt die Wurfgröße. (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Neugeborene Mäuse: Vater bestimmt die Wurfgröße.
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Mäuseböcke können auf genetischer Basis offenbar beeinflussen, wie viele Junge ihre Partnerinnen gebären. Die Weibchen haben aber eine Gegen-Strategie entwickelt.

Die Anzahl der Jungen, die eine Maus zur Welt bringt, wird offenbar von den Genen des Männchens mitbestimmt. Bislang war man davon ausgegangen, dass die Weibchen allein die Wurfgröße kontrollieren. Die Muttertiere bestimmen dagegen, wie viel sie ihren Nachwuchs säugen.
Kleiner Wurf, großer Wurf
Die Manipulation der Weibchen kann sich nach der Studie, die in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins «Nature» vorgestellt wird, noch auswirken, lange nachdem der Mäusebock die Partnerin verlassen hat. Reinmar Hager und Rufus Johnstone von der britischen University of Camebridge haben Tiere von unterschiedlichen Stämmen gekreuzt, um die Strategien von Männchen und Weibchen zu untersuchen.

Die Tiere des Stammes «CBA» haben normalerweise zahlreiche relativ kleine Jungen. Die Würfe des Stammes «B6» dagegen bestehen aus wenigen, größeren Jungen. Als die Forscher B6-Weibchen mit CBA-Männchen kreuzten, brachten die Weibchen mehr Junge pro Wurf zur Welt. Die Kreuzung von CBA-Weibchen mit B6-Männchen erbrachte dagegen kleinere Würfe.

Ausbeutung zugunsten des Nachwuchses
Bislang war bekannt, dass Weibchen unter bestimmten Bedingungen Embryonen in der Gebärmutter resorbieren und die Wurfgröße begrenzen können. Doch offenbar ist der genetische Einfluss der Männchen größer. So könnten die Gene der CBA-Männchen die Embryonen-Resorption unterbinden.

Die Forscher nehmen an, dass die Wurfgröße über die Prägung der väterlichen Gene gesteuert wird. Diese chemischen Merkmale der Erbsubstanz DNA können mitbestimmen, wann ein Gen ein- oder ausgeschaltet wird. Wie die Forscher jetzt berichten, sind die geprägten Gene der Männchen darauf ausgerichtet, die Ressourcen der Mutter möglichst stark zugunsten des Nachwuchses auszunutzen. In den Genen der Weibchen sind jedoch Gegen-Strategien verankert.

Mehr Milch für mütterliche Verwandte
Hager und Johnstone ließen die aus den Kreuzungsversuchen hervorgegangen Mäuse von Pflegemüttern aufziehen. Wie sie feststellten, wurden die Jungen mehr gesäugt, wenn ihre leibliche Mutter dem gleichen Stamm angehörte wie die Pflegemutter. Die genetische Ausstattung der Jungtiere beeinflusst offenbar auch das Säugeverhalten der Mütter.

Die Autoren wollen sich allerdings nicht festlegen, ob solch differenziertes Verhalten auch bei Wildtieren vorkommt. Die Fähigkeit zur Erkennung der näher verwandten Jungen hängt wohl mit dem Mechanismus zur Erkennung der eigenen Jungen in einem Gemeinschaftsnest zusammen. Welche Gene dieses mütterliche Verhalten steuern und welche väterlichen Gene die Wurfgröße beeinflussen, ist bislang unbekannt.


Für das Web ediert von Patrick Eickemeier