22.01.2003
Herausgeber: netzeitung.de
Die buschigen Blütenstände der Hanfpflanzen werden getrocknet und als Marihuana geraucht.
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Die Wirkung von Marihuana als «Einstiegsdroge» ist umstritten. Doch offenbar steigert der Konsum in jungen Jahren auch die Gefahr für spätere Drogenprobleme.
Das Alter, in dem ein Mensch regelmäßigen Cannabis-Konsum aufnimmt, wirkt sich auf sein Suchtrisiko aus. Nach einer aktuellen Studie haben jüngere Erstkonsumenten in ihrem späteren Leben mehr Drogenprobleme.
Spätere AlkoholabhängigkeitIn einer Studie an australischen ein- oder zweieiigen Zwillingspaaren hat ein internationales Medizinerteam nach dem Alter beim ersten Konsum von Marihuana oder Haschisch und der späteren Drogengeschichte gefragt. Wie die Mediziner jetzt in der aktuellen Ausgabe des Magazins «Journal of the American Medical Association» berichten, sind 43 Prozent der Personen, die schon vor ihrem achtzehnten Lebensjahr regelmäßig Cannabis konsumiert hatten, alkoholabhängig geworden. 48 Prozent der jungen Erstkonsumenten nahmen später auch aufputschende Drogen wie Kokain, gut ein Drittel halluzinogene Drogen. 14 Prozent hatten Opioide wie Heroin konsumiert.
«Es gibt eine ziemlich lange Geschichte von Untersuchungen, die zeigen, dass früher Cannabis-Gebrauch mit einem erhöhten Suchtrisiko für so genannte 'harte Drogen' zusammen hängt», sagt Michael Lynskey, einer der Forscher. Doch wie der Mediziner vom Queensland Institute for Medical Research in Brisbane, Australien, anmerkt, beruhten diese Untersuchungen darauf, dass die meisten Kokain- oder Heroin-Abhängigen angeben, als erstes Cannabis konsumiert zu haben. Faktoren wie die genetische Ausstattung, das Umfeld und der familiäre Hintergrund seien dabei vernachlässigt worden.
Starker Zusammenhang«Indem wir Zwillinge untersuchen, können wir Individuen des gleichen Alters, des gleichen familiären Hintergrunds und im Falle von eineiigen Zwillingen der gleichen genetischen Ausstattung vergleichen», sagt Lynskey. Bei 311 der befragten Paare hatte jeweils ein Zwilling vor Erreichen des Alters von 17 Jahren begonnen, Cannabis zu konsumieren. Die Befragung der Probanden in ihren Zwanzigern und frühen Dreißigern hat jetzt gezeigt, dass diese Personen mit einer etwa zwei- bis zu fünffach erhöhten Wahrscheinlichkeit suchtkrank wurden.
Die Forscher hatten nach eigenen Angaben nicht damit gerechnet, dass der Zusammenhang zwischen frühem Cannabis-Konsums und späterer Drogenabhängigkeit auch in der Zwillingsstudie nachgewiesen wird. «Aber diese Studie zeigt, dass es eine stärkere Beziehung gibt, als wir vermutet hatten», sagt Lynskey. Es sei aber auch festzuhalten, dass die Mehrheit der jungen Erstkonsumenten in ihrem späteren Leben keine Alkohol- oder andere Drogenprobleme entwickeln. Die Eltern und die Gesellschaft sollten den frühen Cannabis-Konsum als Anzeichen für ein erhöhtes Risiko ernst nehmen.