netzeitung.deSchnelltest für Pest entwickelt

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Rattenfloh, wichtigster Überträger der Pest. (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Rattenfloh, wichtigster Überträger der Pest.
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Eine mit speziellen Antikörper-Molekülen beschichtete Membran hat sich in ersten Versuchen für den Nachweis von Pest-Erregern bewährt.

Eine genaue und einfache Methode zum Nachweis der Pest haben madagassische und französische Mikrobiologen entwickelt. Wie die Forscher im Fachblatt «Lancet» berichten, liefert der Test schon nach 15 Minuten verlässliche Ergebnisse. Dies sei Voraussetzung für eine umgehende Behandlung und damit für das Überleben der Erkrankten.
4000 Pest-Todesopfer jährlich
Die Pest, hauptsächlich als Seuche des Mittelalters bekannt, fordert auch heute noch jährlich bis zu 4.000 Todesopfer. Vor allem afrikanische Länder sind betroffen, der Erreger Yersinia pestis findet sich aber auch in Nagetieren im Westen der USA. Nach einer Infektion schreitet die Krankheit rasch voran, beispielsweise bleiben im Falle einer Infektion über die Lunge nur 24 Stunden, um das Leben des Patienten durch Gabe von Antibiotika zu retten.

Suzanne Chanteau vom Pasteur-Institut in Antananarivo und ihre Kollegen haben nun ein Nachweisverfahren entwickelt, das Patienten und Ärzten ausreichend schnell Gewissheit verschaffen könnte. Herzstück dieses Tests sind von Mäusen produzierte Antikörper gegen das so genannte F1-Antigen des Erregers. Die Antikörper werden als feine Linie an eine spezielle Membran gebunden und können in dieser Form selbst im tropischem Klima mehrere Wochen gelagert werden.

Verlässlicher als herkömmliche Verfahren
Im Verdachtsfall gibt der Arzt Probenmaterial - beispielsweise aus Hautschwellungen ausgetretene Flüssigkeit - und eine Entwicklerflüssigkeit auf die Membran. Enthält das Material das F1-Antigen, zeigt sich dies binnen 15 Minuten als Verfärbung im Bereich der Antikörper-Linie. Ausführliche Prüfungen im Labor und in 26 Behandlungszentren auf Madagaskar ergaben, dass der Test infizierte Personen verlässlicher erkennt als aufwändige bakteriologische und immunologische Nachweisverfahren, gleichzeitig jedoch weniger Fehlalarme produziert.

«Dieser Test könnte Gesundheitshelfern in abgelegenen Gegenden eine schnelle und kosteneffektive Diagnose von Beulen- und Lungenpest ermöglichen», sind Chanteau und ihre Kollegen überzeugt. Dies könne nicht nur die Sterblichkeit der Patienten senken, sondern auch einen sparsamen Einsatz von Insektiziden gestatten und so Resistenzen bei Flöhen vermeiden helfen. Die großflächige Einführung des Tests auf Madagaskar sei bereits geplant, so die Forscher. Mit Hilfe internationaler Organisationen wolle man ihn nun auch in anderen betroffenen Ländern verfügbar machen.

Die Pest wird meist durch Floh-Bisse von Ratten oder anderen Nagetieren auf Menschen übertragen. Ob der so genannte «Schwarze Tod», der im Spätmittelalter die europäische Bevölkerung dezimierte, tatsächlich die Pest war, ist in jüngster Zeit unter Wissenschaftlern zunehmend umstritten. Die Art der Epidemie lässt vermuten, dass es sich nicht um eine von Flöhen übertragenen Krankheit gehandelt haben könnte. Wahrscheinlicher als Auslöser ist ein direkt durch Hautkontakt übertragener Erreger, der dem Ebola- oder Marburg-Virus ähnlich gewesen sein könnte. (nz/jkm)