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Die Superkartoffel gegen Fehlernährung
02. Jan 2003 15:57

Um Proteinmangel auszugleichen, wird die herkömmliche Kartoffel (Bild) gentechnisch optimiert.
Foto: Universität Potsdam
Eine gentechnisch veränderte Kartoffel könnten die Probleme einiger Entwicklungsländer mit Fehlernährung lösen helfen. Selbst Kritiker sehen Sinn in einer mit Proteinen angereicherten Gentech-Variante der Knolle.

Eine gentechnisch veränderte Kartoffel könnte helfen, Fehlernährungen in Indien zu bekämpfen. Forscher der Jawaharlal Nehru University in New Delhi fügten der Kartoffel das so genannte AmA1-Gen der südamerikanischen Amaranth-Pflanze zu, wodurch der Anteil an Proteinen und essentiellen Aminosäuren wie Lysin und Methionin anstieg.

Mehr Protein pro Knolle

Mehr in der Netzeitung:
Versuche zur Anreicherung der Nahrung mit Proteinen hat es in der Vergangenheit bereits mehrfach gegeben. Brot und Mehl werden beispielsweise mit Erdnussmehl angereichert, per Gentechnik wurde bereits der Mais mit Lysin angereichert.

Die neue gentechnisch veränderte Kartoffel enthält mit AmA1 ein Gen, «das die Ernährungssituation verbessert, und aus einer Pflanze stammt, die bereits gegessen wird», sagte Govindarajan Padmanaban, Biochemiker am Indian Institute of Science in Bangalore kürzlich auf einer Tagung der Royal Society in London. Bestandteile des Amaranth seien nicht als Allergene bekannt.

Padmanaban hofft, dass die Kartoffel weniger Kritik ausgesetzt sein wird als der «Goldene Reis», eine gentechnisch mit Vitamin A angereicherte Variante, die von dem Schweizer Forscher Ingo Potrykus entwickelt und von der Firma «AstraZeneca» vertrieben wird. «Die Bedürfnisse von Entwicklungsländern sind von denen reicher Länder sehr verschieden», sagte Padmanaban dem Magazin «New Scientist». Es sei «moralisch unhaltbar», gegen solche Techniken zu opponieren.

«Die Kartoffel ist gut, weil sie billig ist»

Mehr im Internet:
«Wir wollen sicherstellen, dass die Einführung genetisch veränderter Nutzpflanzen keine gesundheitsschädlichen Auswirkungen hat», sagte Siddharth Deva von «Oxfam» dem Onlinedienst der BBC. Vor einer Zulassung sollten Sicherheitstests durchgeführt werden, die auch die Auswirkungen auf die Umwelt und die Essbarkeit der zusätzlichen Proteine überprüfen.

Suman Sahai von der Kritikerorganisation «Gene Campaign» in Delhi räumte ein, dass diese neue gentechnische Veränderung besser sei als bisherige Entwicklungen, die auf Pestizideinsatz setzten. Bisher wurden Nutzpflanzen meist Gene eingesetzt, die eine Resistenz gegen ein bestimmtes Pestizid vermitteln, um sie gegen Schädlingsbefall zu schützen. Kritiker befürchten, dass die Aussaat solcher Pflanzen die Bauern indirekt zum Kauf bestimmter Pestizide zwingt.

«Das Problem Indiens ist, dass wir überwiegend Vegetarier sind», sagte Sahai. Inder bezögen ihre Proteinration also hauptsächlich aus relativ teurem Gemüse und Hülsenfrüchten. «Die Kartoffel ist gut, weil sie billig ist.» (nz)


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