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Indizien gegen die 'Out-of-Africa'-Hypothese der Menschheitsgeschichte
30. Dez 2002 07:09

Aufrecht um die Welt.
Foto: University at Buffalo
Sie galt gerade als einigermaßen gesichert - die 'Out-of-Africa'-Hypothese zur Herkunft des Menschen. Doch nun scheinen Ergebnisse neuer genetischer Analysen ein anderes Szenario nahe zu legen.

Im Erbgut heutiger Menschen haben amerikanische Forscher Hinweise gefunden, dass die «Out-of-Africa»-Hypothese zur Ausbreitung des Menschen überdacht werden muss. Möglicherweise gab es doch eine Vermischung zwischen den Hominiden verschiedener Kontinente.

SNPs als Abstammungs-Marker

Mehr in der Netzeitung:
Die Mehrheit der Anthropologen geht bisher davon aus, dass der moderne Mensch aus Afrika kommend nach Asien und später nach Europa einwanderte. Dabei sollen die Einwanderer die damaligen Ureinwohner Europas im Zeitraum von vor 80.000 bis 30.000 Jahren so deutlich verdrängt haben, dass diese keine genetischen Spuren mehr hinterließen.

Diese Theorie sieht ein zwanzigköpfiges Forscherteam um den Anthropologen Henry C. Harpending von der University of Utah in Salt Lake City in Frage gestellt. Die Wissenschaftler analysierten SNPs (Single Nucleotide Polymorphisms) im menschlichen Genoms. Diese Abschnitte stehen für Varianten im Erbgut, bei denen jeweils eine einzige Base im Genom ausgetauscht ist. Im menschlichen Genom, das aus etwa drei Milliarden Basenpaaren besteht, findet man etwa alle 1000 Basenpaare einen SNP.
Original-Dokument:
Und findet man die gleichen SNPs bei verschiedenen Individuen oder auch Bevölkerungsgruppen, deutet dies auf einen gemeinsamen evolutionären Ursprung hin. Rund 500.000 davon haben die Forscher untersucht. Ihre Bilanz veröffentlichen sie jetzt in der Online-Ausgabe der «Proceedings of the National Academy of Sciences».

Erklärungs-Versuche

Mehr im Internet:
Nach Aussage der Forscher liefern die SNPs Hinweise auf die Frühzeit der Menschheit. Demnach soll es vor etwa 40.000 Jahren, als die afrikanischen Einwanderer Europa erreichten, einen starken Bevölkerungsrückgang gegeben haben. Dieser plötzliche Einbruch sei erst deutlich später wieder kompensiert worden. Zudem sind sich die Forscher sicher, dass sich Ureinwohner und Einwanderer entgegen der bisherigen Annahmen doch genetisch vermischt haben. Diese Überlegungen münden allerdings in eine Reihe offener Fragen. Der beteiligte Forscher Alan Rogers umschreibt das Problem so: «Wenn die frühen Afrikaner Afrika verließen und die ganze Welt besiedelten, dann hätten sich Hinweise auf expandierende Populationen finden müssen.» Warum aber schrumpfte stattdessen die Zahl der Menschen?

Harpending nennt zwei mögliche Ansätze zur Erklärung des Phänomens: Zum einen könne eine große Zahl an Hominiden den afrikanischen Kontinent verlassen haben. Diese Auswanderer hätten sich nur vereinzelt mit den Ureinwohnern Europas gepaart. So seien einige wenige ur-europäische Gene bis ins heutige Erbgut überliefert worden. Dies verzerre die tatsächlichen Bevölkerungszahlen. Zum anderen bestehe die Möglichkeit, dass nur eine sehr kleine Gruppe von Ur-Afrikanern ausgewandert sei. Vielleicht hätten nur einige Dutzend Hominiden den europäischen Kontinent erreicht. Dann wäre allerdings fraglich, ob sie tatsächlich die Ureinwohner hätten so nachhaltig verdrängen können. Harpending hält es für wahrscheinlicher, dass es zu gelegentlichen sexuellen Kontakten zwischen den unterschiedlichen Hominiden-Stämmen gekommen ist. (nz/jkm)


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