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Genetische Ursache für Angst durch Kaffee
10. Dez 2002 13:26

Modell eines Koffein-Moleküls
Foto: University of Texas
Eine individuell unterschiedliche Ausstattung mit Rezeptor-Molekülen im Gehirn scheint dafür verantwortlich zu sein, dass Kaffee bei manchen Menschen Angstzustände auslösen kann.

Wer schon nach dem Genuss geringer Mengen von Kaffee beginnt, an den Nägeln zu kauen oder andere Beklemmungen zu spüren, könnte eine bestimmte genetische Disposition haben. Das berichteten deutsche und amerikanische Forscher auf einem Fachkongress in San Juan, Puerto Rico. Bestimmte Rezeptoren für Nervenbotenstoffe sind demnach Schuld, wenn nach dem Genuss von Kaffee die Angst kommt.

Koffein-Ähnlichkeit

Mehr in der Netzeitung: Koffein
Koffein ähnelt dem Botenstoff Adenosin so stark, dass es von den Adenosinrezeptoren im Gehirn damit 'verwechselt' werden kann. Indem es diese Rezeptoren blockiert, hemmt es die beruhigende Wirkung des Adenosins. Von diesen Rezeptoren gibt es verschiedene Typen: Die Rezeptoren vom Typ A1 sind im Gehirn weit verbreitet, während der Typ A2a hauptsächlich in den Basalganglien tief im Hirn vorkommt.

Nun untersuchten die Wissenschaftler der Universitäten Münster, Würzburg und Chicago bei 94 Versuchspersonen, wie stark diese auf Kaffee reagierten und über welche Rezeptorausstattung sie verfügten. Es zeigte sich, dass der Rezeptor vom Typ A2a in vier Varianten vorkommt,
Mehr in der Netzeitung: Rezeptoren & Angst
von denen zwei mit den Angst-Symptomen in Verbindung zu stehen scheinen: Trugen die Versuchspersonen eine dieser zwei Varianten, so reagierten sie auf Kaffee sehr schnell mit Beklemmungen und starker Nervosität. Diese beiden Genvarianten treten auch bei Patienten auf, die unter Panikattacken leiden. Frühere Studien hatten gezeigt, dass solche Attacken durch den Genuss von Kaffee ausgelöst werden können.

Gleiche Droge, unterschiedliche Reaktion

«Dies ist das erste Mal, dass methodisch sicher nachgewiesen werden konnte, warum Menschen unterschiedlich auf die gleiche Droge reagieren,» sagte Harriet de Wit von der University of Chicago. Sie und ihre Kollegen Jürgen Deckert von der Universität Münster und Philipp Sand von der Universität Würzburg planen nun, mit der Versuchsmethode die individuellen Reaktionen auf Amphetamine zu studieren. (nz/jkm)


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