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Schmerzlos ohne Suchtgefahr
31. Jul 2002 07:01

Schmerzmittel Morphium.
Foto: Indiana University
Morphium ist eines der wirksamsten Schmerzmittel, macht aber ebenso effektiv abhängig. Ein neuer Wirkstoff könnte die Suchtgefahr des Opiats ausschalten.

Schmerz wird im Hirn gemacht, egal wo im Körper die Ursache liegen mag. Dorthin zielen auch Schmerzmittel wie Morphium. Die Moleküle der Droge setzen sich an die Proteine auf der Zelloberfläche der Nerven, so genannte Rezeptoren. Dadurch wird die Reizübertragung zwischen den Nervenzellen beeinflusst, der Schmerz verschwindet. Jetzt haben amerikanische Forscher ein solches Rezeptor-Protein untersucht, über das das «Belohnungssystem» des Hirns funktioniert, der neuronalen Basis jeglichen Suchtverhaltens.

Mäuse weniger süchtig nach Morphin

Mehr in der Netzeitung:
Anthony Basile von den National Institutes of Health (NIH) untersuchte Mäuse denen der Rezeptor M5-Muscarin fehlt. Er machte diese und genetisch unveränderte Vergleichs-Mäuse Morphium-abhängig - erkennbar daran, dass süchtige Mäuse bevorzugt in die Ecke des Käfigs laufen, wo ihnen die Droge verabreicht wird.

Die Mäuse, denen der M5-Rezeptor fehlte, zeigten ein deutlich reduziertes Suchtverhalten. Erst bei sehr hohen Dosen liefen sie immer wieder in die eine Käfigecke. Außerdem zeigten die Mäuse weniger Entzugserscheinungen, wenn das Opiat abgesetzt wurde.

Gleichzeitig blieb der schmerzstillende Effekt des Morphiums aber in vollem Umfang erhalten, schreiben die Forscher im Fachmagazin «Proceedings of the National Academy of Sciences» (PNAS). Basile hofft, dass eine selektive Blockade des M5-Rezeptors die negativen Folgen einer Schmerzbehandlung mit Opiaten lindern könnte.

Schon viele Versuche gescheitert

Mehr im Internet:
Möglicherweise könnte der M5-Rezeptor auch helfen, das Suchtpotential ähnlicher Drogen wie Heroin und Kokain zu senken. Beide greifen in den gleichen Stoffwechselweg bei der Reizübertragung zwischen Nervenzellen ein wie Morphium. Vorteilhaft für eine M5-Blockade könnte sein, dass der Rezeptor nur in relativ wenigen Hirnregionen vorkommt, so dass eventuelle Nebenwirkungen lokal begrenzt bleiben würden.

Stephen Husband, Pharmakologe der University of Bath ist jedoch skeptisch. Es habe schon viele - erfolglose - Versuche gegeben, die Suchtgefahr von Morphium einzuschränken, sagte er dem Online-Dienst der BBC. (nz)


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