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Impfschub als Nahrungsergänzung
22. Jul 2002 14:00

Neu entstehende Masernviren werden von der Zelloberfläche abgeschnürt.
Foto: University of Virginia
Essbarer Impfschutz: Mithilfe genmanipulierter Pflanzen könnten zukünftig Impfungen gegen Virusinfektionen aufgefrischt werden.

In vielen Entwicklungsländern ist die ausreichende Impfung der Bevölkerung gegen Infektionskrankheiten wie Masern nicht gewährleistet. Jetzt haben Mediziner nachgewiesen, dass zumindest die Auffrischung des Impfschutzes preisgünstig mit der Nahrung geleistet werden kann.

Maserntest an Mäusen

Mehr in der Netzeitung:
«Wenn wir 90 Prozent der Bevölkerung Afrikas impfen wollen, ist ein oraler Impfstoff logistisch sehr viel vernünftiger», zitiert der Online-Dienst «Nature Science Update» den Virologen Steve Wesselingh. Sterile Spritzen und das medizinische Personal zum Impfen per Injektion seien in Afrika vielerorts Mangelware. Außerdem müssten die Impfstoffe gekühlt gelagert werden, was in Gebieten ohne Elektrizität nur schwer möglich ist.

Der Mediziner vom Macfarlane Burnet Institute for Medical Research in Melbourne, Australien hat einen «essbaren Impfschutz» gegen das Masernvirus an Mäusen getestet. Die Masern gehören zu den Krankheiten mit besonders hohem Ansteckungsrisiko, jährlich sterben rund 800.000 Menschen an der Infektion – in erster Linie afrikanische Kleinkinder.

Auffrischung aus Genpflanzen

Genmanipulierte Tabakpflanzen
Foto: BIOTECanada
Die Forscher um Wesselingh injizierten Mäusen einen DNA-Impfstoff gegen Masern in die Bauchhöhle. Die Muskelzellen der Tiere produzierten daraufhin ein Protein des Masernvirus, gegen das das Immunsystem wiederum Antikörper bildete. Nach 21 Tagen fütterten die Forscher den Tieren einen Pflanzensaft, der aus genmanipulierten Tabakpflanzen gewonnen worden war, die in ihren Zellen ebenfalls das Virenprotein produzierten. Eine Kontrollgruppe der Tiere erhielt statt dessen einen Saft aus normalen Pflanzen.

Mehr im Internet:
Die Tiere, die mit der Nahrung das Virenprotein erhalten hatten, zeigten in ihrem Blut eine deutlich höhere Konzentration von entsprechenden Antikörpern als die Tiere der Kontrollgruppe. Die Antikörper-Konzentration lag über dem für Menschen kritischen Wert, der einen Schutz vor dem Virus bietet.

Die Wissenschaftler haben das Virenprotein jetzt auch von Reis- und Salatpflanzen produzieren lassen. Diese Produkte könnten im Gegensatz zu Tabaksaft in Babynahrung verarbeitet werden. Im nächsten Schritt soll die Methode zur Auffrischung des Impfschutzes an Makaken oder Pavianen getestet werden.



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