15.07.2002
Herausgeber: netzeitung.de
Medikamente gegen Aids.
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Mit der HIV-Therapie kommen auch die Nebenwirkungen der aggressiven Medikamente. Jetzt können Forscher den Zeitpunkt bestimmen, wann mit der Behandlung begonnen werden sollte.
Eine frühzeitige Therapie, gerichtet gegen die Vermehrung der HI-Viren, kann den Ausbruch von Aids verhindern und die Überlebenschancen der Patienten deutlich verbessern. Dies berichtet eine Forschergruppe unter der Leitung von Matthias Egger vom Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Bern, die die Wirksamkeit der so genannten HAART-Therapie (highly active antiretroviral therapy) untersucht hat.
Daten von 12000 Patienten analysiertIn den Ländern der westlichen Welt wird die HAART-Therapie seit 1996 angewendet. Bisher fehlten aber ausreichende Daten von Einzelstudien, die Voraussagen über den Gesundheitszustand und die Chancen der so behandelten Patienten zuließen. Um diese Lücke zu schließen, analysierten dreizehn Forschergruppen Daten von über 12.000 erwachsenen Patienten in Europa und Nordamerika. Diese Patienten hatten zuvor keine antiretrovirale Behandlung erfahren. Sie erhielten eine HAART-Therapie mit einer Kombination von mindestens drei Medikamenten. Im Verlaufe der Studien erkrankten 870 Patienten an Aids und 344 Patienten starben.
War die HIV-Infektion zu Beginn der Studie schon weiter fortgeschritten, waren das Risiko einer Aids-Erkrankung und das Todesfallrisiko trotz der Behandlung deutlich höher, schreiben die Forscher im Medizin-Fachblatt «The Lancet». Eine wichtige Rolle spielte die Anzahl von CD4-Zellen und HIV-Viren im Blut bei Beginn der Therapie. Weitere unabhängige Faktoren für eine ungünstigere Prognose waren höheres Alter, HIV-Infektion durch Spritzen beim Drogenmissbrauch oder eine zuvor diagnostizierte Aids-Erkrankung.
60 Prozent zu spät behandeltDie Wahrscheinlichkeit, im Laufe von drei Jahren an Aids zu erkranken oder zu sterben, betrug für Patienten mit den geringsten Risikofaktoren nur 3 Prozent, für jene mit den höchsten Risikofaktoren aber bis zu 50 Prozent.
«Die Studie ist deshalb von Bedeutung, weil sie mithilft, den genauen Zeitpunkt zu definieren, an dem im Verlaufe der Infektion die HAART-Therapie einzusetzen hat», so Matthias Egger. «Leider setzte in unseren Untersuchungen bei beinahe 60 Prozent der Patienten die Behandlung zu spät ein, was sich in Werten von unter 200 CD4-Zellen pro Mikroliter oder einem Virenanteil von über 100.000 pro Milliliter bei Behandlungsbeginn äußerte. Bei all diesen Patienten wäre die Therapie wirkungsvoller gewesen, hätte sie früher begonnen.»
«Wir müssen uns nun den Gründen zuwenden, die für die verspätete Behandlung verantwortlich waren, damit die Möglichkeiten der antiretroviralen Therapie in Zukunft optimal genutzt werden können.» (nz/jkm)