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|  Forscher schalten Krebsgen dauerhaft ab
05. Jul 2002 11:30
 | Knochenkrebszellen. | | Foto: Rensselaer Polytechnic Institute |
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Wenn sich Krebs-Zellen ungebremst teilen, dann sind Krebsgene am Werk. US-Forscher haben solche Gene jetzt kurzfristig abgeschaltet – und damit das Krebswachstum langfristig gestoppt.
Es klingt simpel: Wenn Gene für die Entstehung von Krebs verantwortlich sind, dann sollte das Abschalten solcher Gene das Krebswachstum stoppen können. Aber wenn die Medikamente, die diese Krebsgen-Aktivität langfristig unterbinden sollen, über längere Zeit verabreicht werden, werden auch normale Zellen in Mitleidenschaft gezogen. Eine kurze Behandlung hätte zwar weniger Nebenwirkungen, Forscher befürchteten aber bisher, dass die Zellen dann wieder entarten. Das ist aber offenbar nicht der Fall, wie Forscher in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins «Science» berichten.
Unterdrücktes Krebsgen
Ein Gen wird erst durch eine Mutation zum Krebsgen (Onkogen). Häufig sind es Erbanlagen, die das Zellwachstum fördern, so dass eine Mutation zu einer Fehlregulierung der Zellteilung führt. Das Problem bei der medikamentösen Inaktivierung von Onkogenen ist, dass in der Regel auch das nicht mutierte, normale Gen in den übrigen Zellen in Mitleidenschaft gezogen wird. Die Funktion normaler Zellen wird dadurch behindert, was dann auch die unerwünschten Nebenwirkungen verursacht.Meenakshi Jain untersuchte im Labor von Dean Felsher an der Stanford University bei San Francisco Knochenkrebs-Zellen in lebenden Mäusen, die aufgrund einer Mutation im Myc-Gen entartet waren. Die Forscher unterdrückten die Aktivität dieses Gens für kurze Zeit und beobachteten, wie sich die Zellen während und nach der Behandlung verhielten.
Zurückverwandlung in gesunde Zellen
 | Gesunde Knochenzellen. | | Foto: Rensselaer Polytechnic Institute |
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Sobald das Myc-Gen abgeschaltet war, teilten sich die Krebszellen nicht nur seltener, sondern sie verwandelten sich sogar wieder in normal aussehende, flache Knochenzellen. Dies ist umso erstaunlicher, als man weiß, dass Krebs erst durch die Mutation mehrerer Gene ausgelöst wird. Experten nahmen deshalb bisher an, dass die Inaktivierung eines einzelnen Onkogens keinen wesentlichen Einfluss auf die Krebszellen haben dürfte.Beendeten Jain und Felsher die Blockierung des Myc-Gens nach 10 Tagen, dann entarteten die Zellen nicht etwa wieder, sondern starben ab, so wie es der Körper bei entarteten Zellen eigentlich vorsieht. Normalerweise sollte sofort ein Selbstmord-Programm (Apoptose) aktiviert werden, wenn aus einer Zelle eine Krebszelle wird. Die Zellen werden dann kugelig und der Zellkern löst sich auf. Erst wenn auch das Apoptose-System defekt ist, kann Krebs entstehen. Die kurzfristige Myc-Blockierung scheint den Zellen ihre Apoptose-Fähigkeit zurückgegeben zu haben.
Übertragbar auf andere Krebsarten
«Niemand hat je gesehen, dass das Abschalten eines Krebsgens für einige Tage eine irreversible Veränderung verursacht,» sagt Felsher. «Die meisten Experten dachten, der Krebs käme zurück sobald die Behandlung, die das Onkogen unterdrückt, gestoppt wird.» Zwar brach der Krebs bei einigen Mäusen später wieder aus, aber nach einer zweiten Myc-Blockierung waren auch diese Mäuse krebsfrei.«Alles was man über Myc lernt, kann auf viele Tumore übertragen werden,» sagt Felsher, denn an vielen verschiedenen Krebsarten, beispielsweise der Lymphdrüse, der Brust, des Dickdarms und der Prostata, sind Mutationen des Myc-Gens beteiligt. Felsher warnt aber vor überzogenen Hoffnungen. Die Behandlung müsse bei anderen Tumoren als Knochenkrebs nicht den gleichen positiven Effekt haben. Das sei abhängig davon, welche Rolle Myc bei der Entstehung des jeweiligen Krebses spielt.
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