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DNA-Test soll Kolumbus identifizieren
23. Mai 2002 11:05

Wo liegt er wirklich? DNA-Tests sollen jetzt Klarheit schaffen.
Foto:
Auch Cristóbal Colón hatte nur einen Körper. Gräber des Entdeckers gibt es allerdings in zwei Kirchen. Jetzt sollen DNA-Tests Klarheit schaffen.

1492 suchte Cristóbal Colón, genannt Kolumbus, nach Indien. Er fand Amerika, was sich für seinen Platz in der Geschichte nicht unbedingt als Nachteil erweisen sollte. Bevor er 1506 starb, hatte der Admiral in seinem Testament noch festgelegt, dass er in Amerika bestattet werden wollte. Heute allerdings nehmen zwei Kirchen für sich in Anspruch, die Hüter des Grabes des Entdeckers zu sein, eine in Sevilla, die andere in Santo Domingo in der Dominikanischen Republik.

Reisen nach dem Tode

Mehr in der Netzeitung:
Kolumbus' Sarg war 1537 wahrscheinlich in die neue Kathedrale von Santo Domingo überführt worden. 1795 allerdings mussten die Spanier die Insel den Franzosen überlassen und entschieden sich, Kolumbus Gebeine mitzunehmen. Die neue Ruhestätte war für gut 100 Jahre Havanna. Doch Kolumbus postmortale Reisen gingen weiter, als die spanische Krone sich 1898 im spanisch-amerikanischen Krieg entschied, die wertvollen Reliquien seiner einstigen Weltherrschaft doch wieder, und gegen den testamentarischen Willen Kolumbus', nach Spanien zu bringen. In Sevilla soll er jetzt liegen – so jedenfalls die spanische Version.

Allerdings wurde 1877 in Santo Domingo eine Bleikiste mit der Namens-Inschrift «Don Cristóbal Colón» gefunden. Sie enthielt 13 größere und 28 kleine Knochen, außerdem ein Bleigeschoss, das von einer Verletzung stammen sollte, die Kolumbus nachweislich in seiner Jugend erlitten hatte. Hatten die Spanier also 1795 in ihrer Eile aus Versehen einen 'falschen' Sarg mit genommen? Wo liegt Kolumbus jetzt wirklich?

DNA als Beweismaterial

Mehr im Internet:
Marcial Castro und Sergio Algarrada, zwei spanische Lehrer, hat diese Frage so sehr beschäftigt, dass sie alles daran gesetzt haben, ein Team von Genetikern zu gewinnen, um sie zu beantworten. Theoretisch wäre das Verfahren einfach. DNA aus den Knochen in Sevilla und Santo Domingo wird mit Erbmaterial aus den Gebeinen eines unehelichen Kolumbus-Sohnes namens Hernando verglichen. Jose Antonoio Lorente von der Universität Granada ist nach Informationen der «New York Times» bereit und willens, diese Untersuchungen durchzuführen.

Aus mehreren Gründen wird das nicht so einfach sein: Zunächst brauchen die Forscher Zugang zu den Knochen. Ob die Behörden in Spanien und der Dominikanischen Republik dem zustimmen werden, und ob die katholische Kirche die Exhumierungen zulassen wird, ist mehr als unsicher. Selbst wenn diese Hürden genommen würden, ist keinesfalls garantiert, dass alle sterblichen Überreste noch genügend große DNA-Fragmente enthalten, um die Analyse möglich zu machen.

Ein unbekannter Toter

Wie die «New York Times» weiter berichtet, wollen Castro und seine Mitstreiter aber alles daran setzten, bis zum 500. Todestag des Entdeckers am 20. Mai 2006 den echten Kolumbus zu identifizieren. Sie müssen dafür wahrscheinlich noch ein weiteres Grab öffnen: 1950 wurde in der Kapelle in Sevilla, in der Columbus vor seiner Überführung in die Karibik geruht hatte, ein weitere Körper gefunden. Dieser lag genau dort, wo Kolumbus ursprünglich bestattet gewesen sein soll. Von einer erneuten Bestattung eines Mannes an dieser Stelle ist in den Urkunden allerdings nichts zu finden. Vielleicht hat der Entdecker nach seinem Tode also doch überhaupt keine transatlantischen Reisen mehr gemacht.



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