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|  Akne-Medikament soll Ursache für Selbstmorde sein
17. Mai 2002 14:46
Ein Mittel gegen Akne steht im Verdacht, für den Selbstmord von Teenagern verantwortlich zu sein. Britische Eltern protestieren, dass Roaccutane noch immer auf dem Markt ist.
Himmelhochjauchzend, zu Trode betrübt. Roaccutane, ein Medikament gegen Akne, soll diese üblichen Stimmungsschwankungen von Teenagern so nachteilig beeinflusst haben, dass sich allein in Großbritannien 15 das Leben nahmen. Am heutigen Freitag demonstrieren Angehörige und Unterstützer vor der britischen Medicines Control Agency (MCA) für ein Verbot des Medikaments.
Das Messer am Puls
Roaccutane habe mentale und physische Schäden bei ihren Kindern hervorgerufen, sagen Eltern wie Liam Grant. Er verlangt von der MCA, dass Roche zu mehr Forschungen darüber aufgefordert wird, wie Roaccutane auf Teenager wirkt. Solange solle die Lizenz ruhen. «In den Vereinigten Staaten muss ein zehnseitiges Formular unterschrieben werden, mit dem man erklärt, dass der Arzt über Nebenwirkungen informiert hat,» sagt Grant. Außerdem werde beschrieben, wie Depressionen erkannt werden können und wie die Eltern reagieren sollen. «In Großbritannien gibt es nur eine Seite Warnhinweise in der kleinstmöglichen Schrift und keinerlei Erklärung, was eine Depression ist.» Joan Gauge beschreibt der BBC, dass ihr sonst geselliger, lebendiger Sohn Kevin depressiv wurde, seit er Roaccutane nahm. «Er weinte jeden Tag, er hatte heftige Gemütsschwankungen. Das Schlimmste für uns war, dass es kein Ende zu nehmen schien.» Über die möglichen Folgen von Roaccutane wurde Kevin nie informiert. «Ich bin hundertzehn-prozentig sicher, dass ich das nicht hätte durchmachen müssen, wenn ich das Medikament nicht genommen hätte,» sagt Kevin heute, der dem Selbstmord sehr nahe war. «Ich hatte das Messer buchstäblich an meinem Puls».
Tampa-Unglück aufgrund des Akne-Mittels?
Auch die Eltern von Charles Bishop, der Anfang Januar sein Flugzeug in ein Hochhaus in Tampa in Florida lenkte, machen Roaccutane für den Tod ihres Sohnes verantwortlich. Trisha Campbell von Roche sagte der BBC, zwölf Millionen Menschen hätten Roaccutane seit 20 Jahren eingenommen, das Medikament sei «fantastisch effektiv» gegen Akne gewesen. «Es gibt keinen Beweis, dass Roaccutane für diese Fälle verantwortlich ist». Dennoch: Seit 1998 warnt Roche auf der Packung vor «Depressionen, psychotischen Symptomem und seltenen Selbstmordversuchen». (nz)
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