Strahlenschäden belasten noch die Enkel
07.05.2002
Herausgeber: netzeitung.de
Wahrscheinlich leiden Nachkommen von Srahlungsopfern an erhöhten Mutationsraten.
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Opfer eines Strahlenunfalls müssen nicht nur damit rechnen, dass auch ihr eigener Nachwuchs Schäden davonträgt. Das Erbgut wird offenbar über Generationen instabil.
Es sind Experimente mit Mäusen, aber dass die Ergebnisse auch auf Menschen zutreffen, davon sind die britischen Forscher überzeugt. Wenn sie Mäuse Erbgut-schädigender Strahlung aussetzten, beobachteten sie nicht nur bei den direkten Nachkommen sondern auch bei den Enkeln eine erhöhte Mutationsrate.
Ungewöhnlich viele spontane MutationenStrahlung verursacht Mutationen, indem einzelne DNA-Bausteine verändert werden, ganze DNA-Stücke verschwinden oder gar Chromosomenbrüche zu Umlagerungen in der Genreihenfolge führen. Außerdem erhöht sich auch die natürliche, spontane Mutationsrate, also die Häufigkeit, mit der in der Zelle Fehler bei der Vervielfältigung des DNA-Moleküls auftreten. Wenn solche Fehler wichtige Gene betreffen, können Krebs und andere krankhafte Veränderungen ausgelöst werden. Ist die DNA der Samen- oder Eizellen betroffen, dann werden diese Schäden an die nächste Generation weitergegeben, deren Missbildungs- und Fehlgeburtsrate deutlich erhöht ist. All das ist seit langem bekannt.
Das Forschungsteam von Yuri Dubrova von der University of Leicester setzte jetzt männliche Mäuse aus drei verschiedenen Stämmen hohen oder niedrigen Dosen von Röntgen- bzw. Neutronenstrahlung aus. Welche Schäden die Strahlung hervorrief, kontrollierten die Forscher anhand molekularbiologischer Untersuchungen an einer Reihe von DNA-Abschnitten, die sie auf Mutationen durchsuchten.
Keine Gnade der späten GeburtWie erwartet zeigten die bestrahlten Tiere die üblichen Strahlungsschäden und anhand der DNA-Analyse konnten die Forscher eine erhöhte Rate an spontanen Mutationen feststellen. Dann setzten die Forscher weibliche unbestrahlte Mäuse mit in den Käfig und untersuchten die Nachkommen der normalen Mutter- und strahlengeschädigten Vatertiere. Unabhängig davon, welche Dosis Röntgenstrahlen die Männchen bekommen hatten und unabhängig welcher Maus-Rasse sie angehörten, zeigten alle direkten Nachkommen die gleiche erhöhte Mutationsrate wie die Vater-Maus. Kreuzten die Forscher die Mäuse weiter, zeigte auch die nächste Generation, die Enkel, diese genetische Instabilität.
«Die bemerkenswerte Entdeckung, dass strahlungsinduzierte Keimbahn-Instabilität mindestens zwei Generationen überdauert, betont die Wichtigkeit der Frage der Strahlungsrisikos für den Menschen», schreiben Dubrova und Kollegen im aktuellen Fachmagazin «Proceedings of the National Academy of Sciences». Bei Menschen, etwa Nachkommen der Opfer der Atombombenangriffe von Hiroshima und Nagasaki, gibt es bisher kaum aussagekräftige Daten über diese Art der Spätwirkung von Strahlenschäden. (nz)