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|  Gesundes Mädchen nach Eizellen-Check
27. Feb 2002 10:12
 | Entnahme von Polkörperchen für die Chromosomenanalyse. | | Foto: Markus Montag/Uni Bonn |
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Mit dem Alter der Frau sinkt die Qualität ihrer Eizellen. Bonner Mediziner können jetzt Eizellen mit Chromosomenschäden erkennen und so die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen künstlichen Befruchtung steigern.
Von Sascha Karberg
Je älter die Frau, umso unwahrscheinlicher ist eine Schwangerschaft. Der Grund liegt in der abnehmenden Qualität der Eizellen, die bei der Reifung im Eierstock mitunter zuviel oder zuwenig genetisches Material abbekommen. In der künstlichen Befruchtung sehen ältere Frauen ihre Chance, noch zu einem Wunschkind zu kommen. Fortpflanzungsmediziner der Universität Bonn haben jetzt deutschlandweit erstmalig eine Methode angewandt, mit der sie gesunde von anomalen Eizellen unterscheiden können: die Polkörperanalyse.
Verteilungsschwierigkeiten
Lediglich etwa ein Drittel der künstlich befruchteten 30-Jährigen werden schwanger, bis zum 40sten Lebensjahr sinkt die Quote sogar auf 10 Prozent. Grund ist häufig eine falsche Verteilung der genetischen Informationsträger, der Chromosomen. Bei der Entwicklung der Eizelle sortiert der Körper die 23 Chromosomenpaare nach dem Zufallsprinzip auseinander und verteilt sie auf zwei Tochterzellen, die jeweils den einfachen Satz von 23 Einzelchromosomen besitzen. Aber nur eine der beiden Tochterzellen entwickelt sich zur befruchtungsfähigen Eizelle, die andere verkümmert und hat für die Entwicklung des Embryos keine Bedeutung. Wegen ihrer geringen Größe im Vergleich zur Eizelle wird diese Zelle auch Polkörperchen genannt. Fehler in der Verteilung der Chromosomen im Laufe dieser Zellteilung wirken sich also sowohl auf die Eizelle, als auch auf das Polkörperchen aus. «Gerade bei älteren Frauen ist eine derartige Fehlverteilung nicht selten», erklärt der Bonner Reproduktionsmediziner Hans van der Ven vom Zentrum für Reproduktionsmedizin und Frauenheilkunde. «Bei Frauen über 40 Jahren sind in 50 bis 70 Prozent der Eizellen, die bei einer künstlichen Befruchtung entnommen werden, die Chromosomen falsch verteilt.»
Hier zu wenig, da zu viel
Da bei der so genannten In-vitro-Fertilisation (IVF) nach dem Embryonenschutzgesetz nur maximal drei im Reagenzglas befruchtete Eizellen in die Gebärmutter der Frau eingesetzt werden dürfen, ist die Wahrscheinlichkeit relativ groß, dass die Eizellen einen chromosomalen Fehler tragen und es zu einem natürlichen Abort kommt. Mit der Polkörperanalyse können die Mediziner nun gesunde von defekten Eizellen unterscheiden und auswählen. Die Mediziner nutzen bei ihrer Methode aus, dass sich Fehler in der genetischen Ausstattung der Eizelle komplementär im Polkörper wiederfinden: Fehlt dem Polkörper ein Chromosom 21, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass die Eizelle ein Chromosom 21 zuviel hat. In diesem Fall könnte so die Gefahr einer Trisomie 21, die das früher Mongolismus genannte Down-Syndrom auslöst, ausgeschlossen werden.
Mit 43 Jahren schwanger
Nach der Befruchtung durch ein Spermium schneiden die Mediziner mit einem feinen Laserstrahl ein kleines Loch in die Eihülle, durch das das Polkörperchen mit einer Mikropipette entnommen wird. Die Chromosomen des Polkörperchens werden anschließend mit Fluoreszenzfarbstoffen gefärbt, und unter dem Mikroskop analysiert.«Die Methode ist sehr zeit- und kostenintensiv, so dass momentan eine routinemäßige Anwendung noch nicht möglich ist», erklärt van der Ven. Der Netzeitung sagte der Fortpflanzungsmediziner, dass bisher nur Patientinnen in Frage kommen, die über 37 Jahre alt sind und mehrere erfolgose IVF-Versuche hinter sich haben. Bei der oberen Altersgrenze will sich van der Ven nicht festlegen, die Frauen müssten noch eine «gute Eierstockfunktion» haben, «denn für die Auswahl per Polkörperanalyse muss schon eine gewisse Anzahl von Eizellen zur Verfügung stehen.» Wie erfolgreich die Mediziner sind, dokumentiert ein gesundes Mädchen, das eine Patientin kürzlich zur Welt brachte. Fünf weitere Frauen sind inzwischen schwanger - darunter eine 43jährige, die normalerweise nur eine fünfprozentige Chance auf eine erfolgreiche in-vitro-Befruchtung gehabt hätte.
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