|  |
|  Genetischer Schalter gegen den Schmerz
12. Jan 2002 07:12
 | Schmerzensschreie wollen Forscher verhindern, indem sie ein schmerzförderndes Gen blockieren. | | Foto: "Der Schrei", Edvard Munch |
|
Auch der Schmerz unterliegt genetischer Kontrolle. Die Entdeckung eines Gens, das das Schmerzempfinden reguliert, eröffnet neue Möglichkeiten für die Behandlung chronischer Schmerzen.
Kanadische Wissenschaftler haben entdeckt, dass Mäuse, denen ein bestimmtes Gen fehlt, keinen Schmerz mehr empfinden. Das Gen beeinflusst die so genannten Endorphine, Eiweißstoffe, die eine Schmerz dämpfende Wirkung besitzen. Im Fachblatt «Cell» äußern die Forscher die Hoffnung, ihre Ergebnisse könnten einen neuen Ansatzpunkt für Medikamente zur Schmerzbehandlung bieten.
Endorphine schalten den Schmerz ab
Die Arbeitsgruppe von Michael Salter von der University of Toronto und Josef Penninger vom Amgen Institute untersuchte die Bedeutung eines Gens, das die Information für ein Protein mit der Bezeichnung Dream trägt. Es war bekannt, dass das Dream-Protein die Produktion von Dynorphin hemmt. Dynorphin gehört zu den so genannten Endorphinen, Morphin-ähnlichen Eiweißstoffen, die im menschlichen Hirn das Schmerzempfinden unterdrücken können. Die Wissenschaftler erzeugten genetisch veränderte Mäuse, denen das Dream-Gen fehlt. Dadurch bildeten die Tiere vermehrt Dynorphin und zeigten eine stark verminderte Schmerzempfindlichkeit. «Alle Arten von Schmerz in allen getesteten Geweben wurden weniger stark empfunden», sagt Salter.
Das gelte auch für den neuropathischen Schmerz, der durch Nervenverletzungen ausgelöst wird und bisher nicht behandelt werden kann. «Unsere Befunde unterscheiden sich sehr von anderen Forschungsarbeiten zur Schmerzbehandlung», so Salter. Diese konzentrierten sich bisher vor allem auf das Morphin, das die Wirkung der Endorphine nachahmt.
Schmerzbehandlung ohne Nebenwirkungen
Mit dem Dream-Gen steht jetzt ein ganz anderer Ansatzpunkt für neue Formen der Therapie zur Verfügung. Die Forscher wollen nach einem Wirkstoff suchen, der die Wirkung von Dream inaktiviert und dadurch die Dynorphin-Bildung ankurbelt. Die vom Schmerz befreiten Mäuse weisen keinerlei Anzeichen einer Erkrankung auf. Körperliche und geistige Funktionen sind offenbar nicht beeinträchtigt und Abhängigkeit von den eigenen im Überschuss produzierten Endorphinen war auch nicht zu beobachten - ein Vorteil gegenüber einer Behandlung mit Morphin und anderen Schmerz stillenden Opiaten, die zum Teil gravierende Nebenwirkungen verursachen. (wsa)
|
|  | |  | |