netzeitung.deUngeahnte Kraft der Verdünnung

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Lösungen verhalten sich ganz anders als gedacht, wenn sie weiter verdünnt werden. Der überraschende Fund könnte die Wirkung homöopathischer Mittel erklären.

«Gegen jede Erwartung» verstoßen nach eigener Einschätzung die Ergebnisse zweier Chemiker. Sie experimentierten mit Lösungen, die sie weiter verdünnten.
Fußball-Aggregate
Anstatt sich weiter im Wasser, dem ersten getesteten Lösungsmittel, zu verteilen, verklumpten die Moleküle der gelösten Stoffe. Der unerwartete Effekt fiel stärker aus, je dünner die Ausgangslösung war. Eine Beobachtung, die die Chemiker vom südkoreanischen Kwangjuan Institute of Science and Technology an ihren Untersuchungsmethoden zweifeln ließ. In wiederholten Versuchen und mit anderen Substanzen konnten sie das Ergebnis aber reproduzieren.

Wie in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins «New Scientist» berichtet wird, experimentierten die Forscher mit den erst seit wenigen Jahren bekannten Fullerenen. Die so genannten «Bucky Balls» wurden mit ringförmigen Zuckermolekülen versetzt und in Wasser gelöst. Die Forscher stellten fest, dass sich die fußballförmigen Moleküle zusammenlagerten und unregelmäßige Aggregate bildeten.

«Als er die Lösung verdünnte, nahm die Größe der Fulleren-Partikel zu», beschreibt der Deutsche Kurt Geckeler den Versuch seines Kollegen Shashadhar Samal. Als sie das Experiment ohne Bucky Balls, alleine mit den Zuckermolekülen wiederholten, bildeten sich ebenfalls Aggregate. Auch andere Substanzen, etwa DNA oder schlichtes Kochsalz verhielten sich ähnlich. Nach Einschätzung der Forscher ein Hinweis darauf, dass es nicht auf den gelösten Stoff, sondern auf das Lösungsmittel ankommt.

Unverstandenes Wasser
Wasser ist ein polares Lösungsmittel. Die Ladungen der Moleküle sind ungleich verteilt, die Teilchen haben eine positiv und ein negativ «polarisierte» Seite. So können sie gelöste Ionen oder auch ebenfalls polarisierte Moleküle umgeben und in Lösung aufnehmen. Diese Eigenschaft macht sich auch die Homöopathie zunutze. Wirkstoffe werden in sehr niedrigen Konzentrationen in Wasser gelöst.

Die jetzt beobachtete Aggregatbildung könnte erklären, wie eine Substanz in homöopathischer Konzentrierung wirken kann. «Die Beobachtung ist kein Beweis für die Homöopathie, aber sie deckt sich mit dem, was wir denken und ist sehr ermutigend», zitiert der «New Scientist» Peter Fisher, den Forschungsdirektor am Royal London Homeopathic Hospital. Die Grundidee der Hochverdünnungs-Homöopathie hänge an der Annahme, dass Wasser Eigenschaften hat, die bisher nicht verstanden sind.

Eine solche haben Geckeler und Samal jetzt beobachtet. «Wir möchten, dass andere Forscher unser Experiment wiederholen», sagt Geckeler. «Wenn das Ergebnis bestätigt wird, wäre es ein echter Durchbruch.»


Für das Web ediert von Patrick Eickemeier