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Alec Jeffreys und der genetische Fingerabdruck
24. Sep 2001 15:31

Alec Jeffreys - Vater des 'genetischen Fingerabdrucks'.
Foto: web
Ob getrocknetes Blut, Speichel oder ein Fetzen Haut - der «genetische Fingerabdruck» verrät, zu welcher Person er gehört. Der Entdecker ist Alec Jeffreys, heute «Sir Alec».

Von Maren Wernecke
 
Die Erkenntnis ereilt den englischen Biologen Alec Jeffreys aus Leicester in der Dunkelkammer. Es ist neun Uhr morgens, Montag, 15. September 1984. Jeffreys untersucht gerade die Evolution des Gens für den Blutfarbstoff Myoglobin und hat dafür entsprechende Abschnitte von Erbmaterial (DNA) fotografiert.

Strichcode für ein Individuum

Mehr in der Netzeitung:
Nun blickt er auf die frisch entwickelte Filmaufnahme. Sie zeigt die DNA in mehreren Banden, die wie Strichcodes auf Verpackungen aussehen. «Mein Gott«, denkt Jeffreys, »was haben wir denn hier!» Ganz unterschiedliche Muster, und zwar so einzigartig, dass jeder Mensch damit identifiziert werden könnte. Nur wenige Stunden später geben Jeffreys und seine Kollegen der Zufallsentdeckung den Namen «genetischer Fingerabdruck«.

Viele Einsatzmöglichkeiten

17 Jahre später. Der genetische Fingerabdruck wird vielfältig eingesetzt: Um mutmaßliche Verbrecher zu überführen, um fragliche Vater- oder Mutterschaften zu klären oder – etwa nach den Terroranschlägen in den USA – um unkenntliche Opfer zu identifizieren und Leichenteile einander zuzuordnen. Angesichts der Wirkung seiner Entdeckung, vor allem in der Gerichtsmedizin, empfindet Jeffreys »Stolz und Ehrfurcht« zugleich, wie er gegenüber der Netzeitung sagt. Auch die allgemeine Anerkennung ist nicht ausgeblieben: 1987 erhält er die Professur für Genetik an der Universität von Leicester, 1994 wird er zum »Sir« geadelt.

DNA aus Speichel, Blut und Knochen

Mehr im Internet:
Zur Erstellung des genetischen Fingerabdrucks ist eine geringe Menge Erbsubstanz notwendig. Sie wird in der Regel aus Speichel, Haaren oder Blut gewonnen. Auch aus Knochen, Resten von Körpergeweben oder eingetrocknetem Sperma lässt sich DNA isolieren. Ist nur sehr wenig DNA vorhanden, kann sie durch die sogenannte Polymerase-Kettenreaktion vervielfältigt werden. Je näher zwei Menschen miteinander verwandt sind, desto mehr stimmen Streifen oder Balken ihrer genetischen Fingerabdrücke überein. Ist der «Strichcode» identisch, so handelt es sich mit größter Wahrscheinlichkeit um die selbe Person.

Gen-Dateien für alle?

Um Verbrechen wirksamer bekämpfen zu können, fordern manche Politiker landesweite Gen-Dateien. Auch Alec Jeffreys hält eine derartige Registrierung von Bürgern prinzipiell für sinnvoll: «Allerdings nur unter den strengsten Sicherheitsvorkehrungen“, betont er gegenüber der Netzeitung. Dazu müsse zum Beispiel gehören, dass die individuellen DNA-Profile keine Aussagen über ethnische Zugehörigkeit oder Krankheiten enthalten.
Die variantenreichen DNA-Sequenzen für den genetischen Fingerabdruck sind sogenannte »Wiederholungssequenzen« oder »Minisatelliten«. Man findet sie in den DNA-Bereichen, die zwischen den eigentlichen Genen liegen. Diese »nicht codierenden« Abschnitte machen beim Menschen mehr als 90 Prozent des Erbmaterials aus. Man kann ihnen bis heute keine eindeutige Funktion zuordnen.

Genetische Grundlagenforschung

Sir Alec Jeffreys arbeitet auch heute noch an der Universität von Leicester. Sein Gebiet: Genetische Grundlagenforschung. »Mein Hauptinteresse liegt darin zu verstehen, wie die DNA-Sequenzen von Menschen variieren und wie diese Variationen durch Mutationen oder andere Mechanismen bei der Vererbung entstehen«, sagt er. Diese Veränderungen, so Jeffreys, bildeten die Grundlage für die menschliche Evolution und seien die Ursache aller vererbter Vielfalt und Erbkrankheiten.


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