04.09.2001
Herausgeber: netzeitung.de
Cannabis-Pflanzen
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Auf die Verpackung kommt es an: Der medizinische Nutzen eines Joints ist umstritten, Cannabis-Wirkstoffe könnten aber auch als Spray verabreicht werden.
Der Cannabis-Wirkstoff Tetrahydrocannabinol (THC) wird in der Medizin als Schmerzmittel und Appetitanreger eingesetzt. Doch die Ergebnisse bisheriger Studien zur Wirkung der «Marihuana-Therapie» vor allem als Schmerzmittel sind nicht eindeutig.
Schmerz- oder SchlafmittelDer medizinische Nutzen eines Joints oder einer THC-Pille ist nicht immer nachweisbar. Jetzt haben britische Forscher ein Spray entwickelt, das unter die Zunge gesprüht wird. Es soll die Schmerzen von Patienten lindern oder zumindest als Schlafmittel wirken. «Für Menschen mit chronischen Schmerzen ist Schlaf eines der wichtigsten Dinge überhaupt», sagt William Nortcutt vom James Paget Hospital in Gorleston.
Der Forscher stellte die Ergebnisse seiner vorklinischen Studie am Montag auf dem jährlichen Festival of Science der British Association for the Advancement of Science vor. Nur bei wenigen Patienten hätte das Spray seine Wirkung verfehlt. Die 23 Testpersonen litten unter chronischen Schmerzen, die von einer Multiplen Sklerose oder Verletzungen des Rückenmarks herrührten. 17 von ihnen haben beschlossen, das Mittel nach der Studie weiter zu nutzen.
Problem AbsorptionDer Nutzen von Cannabis für Schmerzpatienten wurde bereits in verschiedenen Studien untersucht. Ein Problem war dabei die Form, in der der Wirkstoff verabreicht wurde, sagt Roger Pertwee. «Die Absorption bei der Gabe als Tablette kann sehr unterschiedlich ausfallen», zitiert der Online-Dienst des Fachmagazins «Nature» den Neuropharmakologen von der Universität in Aberdeen.
Würde die Einnahme von Cannabis-Produkten in Großbritannien für therapeutische Zwecke legalisiert, könnte die Zulassung als Medikament schneller erfolgen als in den üblichen sechs Jahren, vermutet Nortcutt. «Es gibt eine riesige Menge an Beweisen für die Wirksamkeit, die den Forschern helfen könnte.» Cannabis wird bereits seit 5000 Jahren verwendet. Dennoch wären weitere Studien notwendig, sagt Nortcutt. «Ich würde nicht verlangen, es jetzt schon verschreiben zu können.» (nz)