netzeitung.deBelasteter Fisch schadet dem Gedächtnis

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Sportfischer auf dem Michigansee (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Sportfischer auf dem Michigansee
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Eine Studie widerlegt eine Volksweisheit: Fisch ist nicht gut für das Gedächtnis - zumindest, wenn die Tiere chemisch belastet sind.

BERLIN. Die Angler vom Michigansee im amerikanischen Bundesstaat Illinois haben ein Problem: Wenn sie ihren Fang essen, werden sie vergesslich. Die Tiere sind zum Teil stark mit polychlorierten Biphenylen (PCB) belastet.
Keine Kinderkrankheit
Bisher hatte man vermutet, dass die PCB vor allem Schwangeren und dem Ungeborenen schaden. Wie Forscher von der University of Illinois jetzt mit einer Studie an Anglern jenseits der 49 gezeigt haben, wirken sich die Stoffe auch negativ auf deren Gesundheit aus. Die Fischesser hatten Probleme, neue verbale Information zu lernen und zu behalten.

Die untersuchten Personen nahmen seit 1992 jährlich mindestens etwa zehn Kilogramm Fisch aus dem Michigansee zu sich. Im Test der Forscher konnten sie sich nur schlecht an eine Geschichte erinnern, die man ihnen dreißig Minuten zuvor erzählt hatte. Die verwendeten Tests, der so genannte «Wechsler memory scale» und der «California Verbal Learning Test» sind standarisierte Verfahren.

Die Fischesser schnitten insgesamt deutlich schlechter ab, als andere Testpersonen. «Unsere Studie zeigt erstmalig, dass PCB den Erwachsenenkörper belasten und das Gedächtnis und die Lernleistung verschlechtern kann», sagt Susan Schantz, die Leiterin der Studie. Sie veröffentlichte ihre Ergebnisse in der Juni-Ausgabe des Fachjournals Environmental Health Perspectives.

Weit verbreitetes Gift
PCB dienen als Zusatzstoffe in Kunststoffen, Lacken, Pflanzenschutzmittel, Kühlflüssigkeiten und hydraulischen Ölen. Sie galten als Wundermittel und wurden in vielen Bereichen eingesetzt, bis sie Ende der siebziger Jahre verboten wurden. Da jedoch viele der PCB-behandelten Geräte und Stoffe noch im Einsatz sind, wird das Gift immer noch freigesetzt.

Die Chemikalien werden nur sehr langsam abgebaut und reichern sich in der Nahrungskette an. So gelangen sie über die Fische auch bis zum Menschen. Im Blut der Angler konnte ein besonders hoher PCB-Spiegel nachgewiesen werden. Außerdem fanden die Wissenschaftler hohe Konzentrationen der Schwermetalle Blei und Quecksilber und des Stoffes DDE, einem Abbauprodukt des Insektengiftes DDT.

Außer den geistigen Fähigkeiten, die in den verbalen Gedächtnistests geprüft wurden, waren andere Gehirnleistungen offenbar nicht betroffen. Die Wissenschaftler bescheinigten den Anglern eine normale Aufmerksamkeit und Planungsfähigkeit sowie ein uneingeschränktes räumliches Denkvermögen.


Für das Web ediert von Patrick Eickemeier