netzeitung.deUrsache für Probleme beim Klonen entdeckt

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Klonen ist schwierig. Für ein einigermaßen gesundes Tier braucht es oft hunderte von Versuchen. Einen möglichen Grund dafür haben jetzt koreanische Wissenschaftler gefunden.

BERLIN. Dolly war das weltweit erste Säugetier, dessen Erbinformation aus dem Kern einer erwachsenen Zelle stammt. Bis der Klon-Forscher Ian Wilmut der Öffentlichkeit im Februar 1997 das Schaf präsentieren konnte, benötigte er insgesamt 277 Anläufe. Eine mögliche Ursache für diese niedrige Erfolgsrate hat eine koreanische Forschergruppe entdeckt.
Unvollständige Umprogrammierung
Das Erbmaterial einer erwachsenen Körperzelle muss vor dem Einspritzen in eine entkernte Eizelle erst umprogrammiert werden. Alle erwachsenen Zellen sind durch spezielle Veränderungen der DNA gekennzeichnet. Diese charakteristische «Prägung» der DNA muss aufgehoben werden, damit wieder die ursprüngliche Information der Keimzelle entsteht. Nur diese ist zur Herstellung eines Embryos mit den verschiedensten Zelltypen geeignet. Lange Zeit galt die Rückprogrammierung als ganz unmöglich und wurde erst durch Dolly bewiesen. Die Technik ist aber mit vielen Risiken und Fehlschlägen behaftet. In der neuesten Ausgabe der Zeitschrift Nature Genetics beschreiben die Wissenschaftler nun einen möglichen Grund dafür: Ein bestimmtes Merkmal der DNA des Spenderkerns wird unvollständig zurückgebildet, das sogenannte Methylierungsmuster.

Die DNA kann an einem ihrer vier Bausteine chemisch durch das Anhängen eines kleinen Kohlenwasserstoff-Moleküls (Methyl) verändert werden. Eine starke Methylierung findet man oft vor Genen, die inaktiv sind. In erwachsenen Körperzellen ist die DNA viel häufiger methyliert als bei befruchteten Eizellen oder frühen Embryonen. In Rinderembryonen, die durch Kerntransfer entstanden waren, ging die Methylierung nicht zurück. Die Forscher vermuten, dass dies die niedrige Erfolgsrate des Transfers von Kernen aus Körperzellen mit verursacht. Bei dieser Technik kommt es im Vergleich zur natürlichen oder der in vitro Befruchtung sehr viel öfter zum Spontanabort der Embryonen. Auch kurz vor oder nach der Geburt sterben mehr Tiere.
Klone produzieren Medikamente
Diese Probleme standen bisher einem massiveren Einsatz der Klontechnik im Weg. Die koreanischen Forscher versuchen nun herauszufinden, warum die DNA-Methylierung erhalten bleibt und ob dieses Phänomen rückgängig gemacht werden kann. Wenn jetzt eine Lösung möglich wird, könnte die Klontechnik bald rentabler zur Produktion von Medikamenten eingesetzt werden («Pharming»), einem primären Ziel dieser Entwicklung. So veröffentlichte bereits im Dezember 1997 eine Gruppe von Wissenschaftlern um Ian Wilmut ein Verfahren zur Herstellung von transgenen Schafen, deren Milch ein menschliches Eiweiß zur Blutgerinnung enthält. Auch die die Herstellung menschlicher Klone würde so wissenschaftlich auf eine realistischere Basis gestellt.

Für das Web ediert von Gerd Knoll