NZ-Gen-Serie (7): Das Dopamin-System - Gene und Verhalten
11.05.2001
Herausgeber: netzeitung.de
Diese klassischen Experimente zeigen eine wichtige Funktion des Botenstoffs: Wohlbefinden zu erzeugen, wenn er in den passenden Gehirnbereichen ausgeschüttet wird. Das passiert normalerweise als Belohnung für «richtiges» Verhalten, das dem Organismus nützt. Die meisten Drogen bewirken in diesem System einen «Kurzschluss»: der Dopamin-Spiegel wird ohne das eigentlich notwendige Verhalten erhöht. Der Organismus erhält die Belohnung ohne Anstrengung.
Als Carlsson die Tiere mit einem Vorläufer des Botenstoffs behandelte, konnten sie sich wieder normal bewegen. Noch heute ist die Behandlung mit L-Dopa der Standard für die Parkinson-Therapie, denn im Hirn von Parkinson-Patienten wird zu wenig Dopamin produziert. Für seine Arbeiten wurde Carlsson im Jahr 2000 mit dem Nobelpreis geehrt.
Diese Drogen wurden vor allem bei Schizophrenie eingesetzt. Die Krankheit scheint durch eine zu starke Wirkung des Botenstoffs verursacht zu werden. Hier zeigt sich ein auffälliges Merkmal des Dopamins: Dieselbe Substanz bewirkt ganz unterschiedliche Effekte und Symptome.
Dadurch wird diese Zelle gereizt, sie reagiert auf die Dopamin-Moleküle. Einige Medikamente können wie Dopamin oder sogar besser an diese Rezeptoren binden und so entweder die Dopamin-Wirkung verhindern oder imitieren.
In den sechziger und siebziger Jahren wurde klar: es muss zwei unterschiedliche Rezeptortypen geben, da verschiedene Drogen ganz unterschiedliche Effekte auslösten. Der Einsatz der molekularen Biologie und der Gentechnik zeigte bald darauf, dass es noch mehr Rezeptor-Typen gibt, mindestens fünf.
Durch gezielten Einbau der entsprechenden Gene in geeignete Zellen wurde somit eine Aufklärung der vielfältigen Dopaminwirkung möglich. Mit diesem Wissen könnten heute Medikamente entwickelt werden, die nur auf einen Rezeptor und daher fast ohne Nebenwirkungen wirken. (nz)

